Buchempfehlung: Gisele Pelicot – Eine Hymne an das Leben

Anzeige VON DER KREISBIBLIOTHEK KRONACH

„Eine Hymne an das Leben“ ist kein leichtes Buch – und genau darin liegt seine Stärke. Gisèle Pelicot erzählt in ihrer Autobiografie eine Geschichte, die erschüttert, sprachlos macht und gleichzeitig tief beeindruckt. Es ist die Geschichte eines unfassbaren Verbrechens, aber noch mehr die Geschichte einer Frau, die sich weigert, daran zu zerbrechen.

Im Zentrum des Buches steht die jahrzehntelange Ehe, die sich im Nachhinein als Alptraum entpuppt: Ihr eigener Ehemann betäubte sie über Jahre hinweg und machte sie zum Opfer systematischer Gewalt durch zahlreiche Männer. Diese erschütternde Wahrheit bildet den Ausgangspunkt des Buches – doch die Autorin bleibt nicht bei der Darstellung des Leids stehen. Vielmehr beschreibt sie ihren Weg zurück ins Leben, geprägt von Mut, Selbstbestimmung und dem Entschluss, öffentlich für Gerechtigkeit einzustehen.

Besonders eindrucksvoll ist der Ton des Buches. Gisèle Pelicot schreibt weder anklagend noch pathetisch. Stattdessen wirkt der Text ruhig, reflektiert und erstaunlich versöhnlich. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Text eine enorme emotionale Kraft.

Thematisch geht es um mehr als ein individuelles Schicksal. Pelicot stellt grundlegende Fragen nach Schuld, Scham und gesellschaftlicher Verantwortung. Ihr Leitsatz „Die Scham muss die Seite wechseln“ zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und macht deutlich, dass sie nicht nur ihre eigene Geschichte erzählt, sondern auch ein gesellschaftliches Umdenken anstoßen will.

Am Ende ist „Eine Hymne an das Leben“ genau das, was der Titel verspricht – allerdings ohne Pathos. Es ist keine triumphale Hymne, sondern eine leise, hart erkämpfte. Ein Buch über Schmerz, aber vor allem über Würde, Hoffnung und die Fähigkeit, sich selbst neu zu erfinden. Fazit: Ein zutiefst bewegendes, wichtiges Buch, das lange nachwirkt. Keine leichte Lektüre – aber eine, die gelesen werden sollte.


INHALTSANGABE „EINE HYMNE AN DAS LEBEN“

Das Buch „Eine Hymne an das Leben“ von Gisèle Pelicot erzählt die wahre Geschichte einer Frau, deren Leben durch ein schweres Verbrechen erschüttert wurde. Über Jahre hinweg wurde sie von ihrem eigenen Ehemann betäubt und mussbraucht, ohne es zu wissen. Nach der Aufdeckung dieser Taten beginnt für sie ein langer Weg der Verarbeitung. Im Buch Beschreibt Pelicot, wie sie mit dem Geschehenen umgeht, ihre Würde zurückgewinnt und den Mut findet, öffentlich darüber zu sprechen.

Dabei steht nicht nur ihr persönliches Schicksal im Mittelpunkt, sondern auch die Frage nach Schuld, Scham und gesellschaftlicher Verantwortung. Trotz des schweren Themas ist es vor allem eine Geschichte über Stärke, Selbstbestimmung und den Willen, wieder ins Leben zurückzufinden.

GISÈLE PELICOT

wurde am 07. Dezember 1952 in Villingen (Deutschland) geboren und wuchs später in Frankreich auf. Sie arbeitete viele Jahre als Angestellte bei einem Energieunternehmen und ist Mutter von drei Kindern.

Für ihren Mut ihren Fall öffentlich zu machen und ihr Engagement wurde sie weltweit als Symbolfigur im Kampf gegen Gewalt an Frauen wahrgenommen. Unter anderem bekam sie den französischen Verdienstorden der Ehrenlegion, die höchste Auszeichnung Frankreichs, verliehen.

©picture alliance / abaca | Coust Laurent/ABACA