Sonderthema Wandel: „Lernen schadet ja nie“

Wandel braucht Weiterbildung

Nicht schon wieder etwas Neues: Schon die Einführung einer neuen Software kann für Frust sorgen. Gewohnte Abläufe ändern sich, Routinen funktionieren plötzlich nicht mehr und eine neue Einarbeitung wird unvermeidlich. Dabei geht es oft nur um kleine Veränderungen, doch diese fallen Menschen schwer. Deutlich größer wird die Herausforderung, wenn sich ganze Berufsfelder wandeln oder neue Technologien die Arbeitswelt verändern. Dann wird deutlich: Wer Schritt halten möchte, muss bereit sein, sich weiterzubilden.

Warum lebenslanges Lernen heute wichtiger ist denn je, erklärt Prof. Dr. Michael Hartmann von der Hochschule Coburg. Der Professor für Marketing und Vertrieb leitet die Studienfakultät Weiterbildung und begleitet berufsbegleitende Studiengänge. Für ihn ist klar: „Wir sind heute stärker als früher und in immer kürzeren Abständen vom Wandel betroffen. Darum sind wir gefordert, uns fortlaufend anzupassen.“

Doch warum tun wir uns mit Veränderungen oft so schwer? Für Hartmann hat das wenig mit dem Alter zu tun. „Weiterbildung ist in erster Linie eine Frage der Motivation. Man muss neugierig sein, offen für neue Impulse und Sichtweisen und einen Sinn darin sehen“, sagt er. Entscheidend sei die eigene Haltung. Wer bereit ist, Neues zuzulassen, könne sich auch nach Jahrzehnten im Beruf weiterentwickeln.

Die Gründe für eine Weiterbildung sind vielfältig. Manche möchten sich neue Karrierechancen eröffnen, andere streben Führungsverantwortung an oder wollen beruflich noch einmal ganz neu anfangen. Einigen geht es aber auch um die Bewältigung ihrer akuten Arbeitssituation, entweder weil sich Aufgaben geändert haben oder neue dazugekommen sind. „Am Ende haben alle eines gemeinsam: Es ist ein Stück Selbstverwirklichung und die Bereitschaft, dafür auch etwas zu tun“, sagt Hartmann. Denn die Arbeitswelt verändert sich nicht nur schneller, sondern auch grundsätzlicher als früher. Digitale Technologien, neue Anforderungen in Unternehmen und der Fachkräftemangel sorgen dafür, dass viele Beschäftigte ihr Wissen regelmäßig erweitern müssen.

Für Hartmann ist Weiterbildung deshalb nicht nur ein Thema für berufliche Aufsteiger. „Lernen endet heute nicht mit dem Abschluss einer Ausbildung oder eines Studiums. Es begleitet uns über das gesamte Berufsleben hinweg“, sagt er. Berufsbegleitende Studiengänge und Weiterbildungsangebote, wie sie die Hochschule Coburg anbietet, seien deshalb so gestaltet, dass sie sich flexibel in den Alltag integrieren lassen. Moderne Lernformate und digitale Lehrangebote erleichterten es, sich neben dem Beruf weiter zu qualifizieren.

Viele wüssten nicht, dass sie mit Berufserfahrung ein Hochschulstudium beginnen dürfen. Besonders interessant sei dies für Menschen mit beruflicher Qualifikation, etwa Meisterinnen und Meister. Diese können auch teilweise auf das Studium angerechnet werden. „Viele verfügen bereits über umfangreiche Praxiserfahrung. Ein Studium vermittelt nicht nur Fachwissen. Es hilft auch dabei, Probleme zu analysieren, Zusammenhänge zu erkennen und Lösungen zu entwickeln“, erklärt Hartmann. Dadurch eröffneten sich neue berufliche Möglichkeiten, etwa im Management, in der Projektleitung oder in spezialisierten Fachbereichen.

Auch für die Region sei lebenslanges Lernen von großer Bedeutung. Unternehmen seien auf gut qualifizierte Fachkräfte angewiesen, die bereit sind, sich auf neue Entwicklungen einzustellen. Weiterbildung helfe dabei, Veränderung nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Chance.

Sein Rat an alle, die über eine berufliche Veränderung nachdenken, ist deshalb: „Einfach loslegen. Die Reue, etwas nicht versucht zu haben, wiegt schwerer als ein gescheiterter Versuch.“ Denn „ausgelernt“ hat man sowieso nie.