Auf ein Wort: Wo ist der Wille?

Zur Geschichte über die städtischen Sammlungen

von Wolfram Hegen

Coburg hat viel Geschichte. Aber vieles ist seit über 80 Jahren versteckt in den Depots der städtischen Sammlungen. Das ist ein erstaunlicher Zustand für eine Stadt, die sich gerne über ihre Geschichte definiert. Dabei gab es ein Stadtmuseum schon einmal – Anfang des 20. Jahrhunderts, im Rathaus. Ein eigenes Museumsgebäude war geplant. Doch die Geschichte verhinderte die Umsetzung. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Bestände ausgelagert. Anläufe für ein neues Stadtmuseum scheiterten.

Dabei hätte Coburg mit einem Stadtmuseum etwas zu erzählen, das weit über die eigene Stadt hinausweist. Coburg ist ein Mikrokosmos europäischer Geschichte: von der Reformation und Martin Luthers Aufenthalt auf der Veste bis zu den dunklen Kapiteln der Hexenverfolgung. Von der kleinen fränkischen Residenz bis zur Dynastie mit Beziehungen zu den Königshäusern Europas. Vom wichtigen Schauplatz des Liberalismus, der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung zur Hochburg des Nationalsozialismus mit all seiner Zerstörungskraft. Von der innerdeutschen Randlage zur Mitte Europas nach der Wiedervereinigung.

Das alles wäre mehr als ein Stadtmuseum. Es wäre ein Museum darüber, wie sich Europa verändert hat – und wie diese Veränderungen eine Stadt geprägt haben. Diktatur und Demokratie, Glaube und Verfolgung, Krieg und Frieden, Grenze und Freiheit, Tradition und Moderne ließen sich hier erzählen.

Dass eine historisch so breit aufgestellte Stadt diesen Schatz seit mehr als 80 Jahren nicht hebt, sondern wesentliche Teile ihrer eigenen Geschichte wegsperrt, ist schwer verständlich. Ein Stadtmuseum wäre eine Investition in Bildung und Identität, in Tourismus und Standortqualität.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.