Buchempfehlung: Kea von Garnier – Restsommer

„Es ist nur so, dass ich, bevor ich mich den Rest meines Lebens nur noch mit Toten beschäftige, gern selbst richtig gelebt hätte.“

Manche Bücher öffnen ein Fenster und „Restsommer“ gehört dazu. Mit Ihrem Romandebüt zeichnet die Autorin Kea von Garnier eine Geschichte, die man so schnell nicht vergisst.

Es ist der Sommer des Jahres 2003. Dominik, sechzehn Jahre alt, wächst in der niedersächsischen Provinzstadt Schönacker auf. Sein Leben verläuft in geordneten Bahnen: Schule, Schwimmbad, Bandproben mit seinen Kumpels Lukas und Tuan. Nebenbei hilft Dominik seinem Vater in dessen Bestattungsinstitut und aus Sicht des Vaters ist der weitere Lebensweg des Sohnes klar: Schulabgang vor dem Abitur und Einstieg in das Familienunternehmen. Schon immer stand das Familienleben hinter den geschäftlichen Belangen zurück, und dieser Situation überdrüssig verließ die Ehefrau und Mutter die Familie im Jahr zuvor. Seither wird das Leben des Vaters noch mehr von seinem Beruf dominiert als zuvor.

Allerdings ist sich Dominik bezüglich seiner Zukunft in Schönacker und im väterlichen Betrieb nicht so gewiss, wie sein Vater, der ihn mit seiner Erwartungshaltung unter Druck setzt. Dominik kennt sich zwar bestens mit Tod und Trauer aus, sehnt sich jedoch nach einem Leben außerhalb der festgefahrenen Bahnen des Provinznests.

Das ändert sich schlagartig, als Biff aus Berlin mit seiner Familie nach Schönacker zieht und in Dominiks Klasse kommt – unangepasst, impulsiv, selbstbewusst und voller Hunger auf alles, was das Leben zu bieten hat. Zwischen den beiden entfaltet sich in der Hitze des Sommers etwas Unerwartetes, Überwältigendes, etwas, das in seiner Intensität alles andere, Freunde, Familie, Zukunft, an den Rand drängt. Kea von Garnier erzählt diese Geschichte mit außergewöhnlichem Feingefühl. Eindringlich, zärtlich und mit sprachlicher Präzision beschreibt sie die schwer fassbaren inneren Zustände des sechzehnjährigen Protagonisten: den Druck väterlicher Erwartungen, die Sehnsucht nach einem anderen Leben, die Verwirrung und Schönheit des Verliebtseins. Dominik ist damit beschäftigt, sich selbst zu finden und soll gleichzeitig weitreichende Entscheidungen treffen. Eine äußerst herausfordernde Situation.

„Restsommer“ ist weit mehr als ein Roman über das Erwachsenwerden. Es ist ein Plädoyer für Mut – den Mut, sich anderen zu öffnen und aus den vorgezeichneten Spuren auszubrechen. Ein Debütroman, der berührt, bewegt und lange nachhallt.

INHALTSANGABE „RESTSOMMER“

Der Sommer in der niedersächsischen Provinz beginnt wie immer: Freibad, Bandproben, die Leichen in Papas Keller. Dominik ist der Sohn des örtlichen Bestatters und soll den Familienbetrieb in naher Zukunft übernehmen. Bislang sprach nichts dagegen, denn Dominik ist erstaunlich routiniert im Umgang mit Trauernden und weiß mehr über Tod und Verlust als die meisten Erwachsenen. Worüber er allerdings wenig weiß, ist das Leben selbst und das macht ihm zunehmend zu schaff en. Da taucht kurz vor den großen Ferien ein neuer Schüler in seiner Klasse auf …

KEA VON GARNIER

ist Autorin und Schreibmentorin und teilt auf Social Media ihre Gedanken zu mentaler Gesundheit, Feminismus und Konsumkritik. Sie lebt in Königstein im Taunus und in Hildesheim, wo sie Literarisches Schreiben studiert. 2020 erschien ihr erzählendes Sachbuch „Die Vögel singen auch bei Regen“ bei Eden Books. „Restsommer“ ist ihr Romandebüt.