
Die drei aus dem Rathaus
Seit 1. Mai 2026 hat sich im Bamberger Rathaus viel getan. Nach den Kommunalwahlen mussten die neuen Mehrheiten sinnvoll geordnet werden, viele frisch gewählte Stadträtinnen und Stadträte in ihre Ämter eingeführt werden und die Bürgermeisterposten bestimmt werden. Oberbürgermeister Sebastian M. Niedermaier setzte dabei auf seinen „Stichwahl-Gegner“ Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg) als Stellvertreter und freute sich besonders über die Nominierung seiner SPD-Parteigenossin Eva Jutzler als 3. Bürgermeisterin – als erste Frau in einem Bürgermeisteramt in Bamberg.
Der BAMBERGER bat die neue städtische Führungsriege zu einer entspannten Talkrunde – mit sich selbst.
BAMBERGER:
Schön, dass wir nach zwei Monaten mal die Gelegenheit haben, ein bisschen zu sprechen über die ersten gemeinsamen Wochen im Rathaus. Sebastian, was war in Deinem neuen Job als Oberbürgermeister anders, als du es dir vorher gedacht hast?
SEBASTIAN M. NIEDERMAIER:
Ich habe nicht gedacht, dass wir so gut in die ganze Gremienarbeit reinkommen. Das war ja alles komplett neu für mich, also Sitzungen zu leiten, Tagesordnungen und Sitzungsvorträge abzusprechen. Diese ganzen verwaltungstechnischen Aufgaben. Aber das hat wirklich bislang alles sehr gut funktioniert. Ich bin zudem sehr zufrieden, dass wir innerhalb von nur zwei Monaten vieles wirklich gut strukturieren konnten – auch die Zusammenarbeit und Abstimmung der Bürgermeisterämter.
JONAS GLÜSENKAMP:
Eva, nervt es dich, dass die Leute die ganze Zeit sagen: „Jetzt ist es endlich mal eine Frau“? Hast du das Gefühl, es wird zu vieles auf diese Sache reduziert?
EVA JUTZLER:
Ehrlich gesagt bin ich eher überrascht davon, wie positiv die Reaktion darauf ist, dass sich eine Frau in Bamberg als Bürgermeisterin engagiert. Wobei vor allem die Reaktion der Frauen sehr positiv ist – und zwar über alle Altersklassen hinweg. Das finde ich total spannend und ich fühle mich dadurch ehrlich gesagt noch motivierter als ich es eh schon war.
JONAS GLÜSENKAMP:
Ihr wart ja beide auch im Wahlkampf aktiv, habt da ja auch mit vielen Leuten geredet. Gehen die Menschen jetzt anders auf euch zu? Verändert das Amt etwas in der Wahrnehmung der Leute zu euch? Reden sie euch anders an, kommen sie mit anderen Themen?
SEBASTIAN M. NIEDERMAIER:
Das ist komplett unterschiedlich: Es gibt die Menschen, die mich einfach schon lange kennen, die kommen ganz normal wie immer auf mich zu. Aber natürlich verändert das Amt die Sicht auf die eigene Person. Ich laufe auch nicht mehr in meinen früheren Klamotten rum. Allein diese neue Optik in Verbindung mit dem Ansehen des OB-Amtes und dem gestiegenen eigenen Bekanntheitsgrad sind schon neu für mich.
EVA JUTZLER:
Für mich ist das ein bisschen so wie früher am Theater. Die Leute, die politisch interessiert sind, erkennen mich und sind immer super freundlich. Und dann gibt es die, auf die ich freundlich zugehe, und die dann fragen: „Wer ist das denn jetzt?“ Also es wird noch ein bisschen dauern, bis ich Euren Bekanntheitsgrad erreicht habe …
SEBASTIAN M. NIEDERMAIER:
Jonas, du bist der Einzige, der einen Vergleich ziehen kann zwischen den sechs Jahren davor und der Arbeit jetzt. Was hat sich nach der Wahl im Rathaus verändert?
JONAS GLÜSENKAMP:
Man redet vor seinem neuen Chef natürlich nie über die alte Liebe, aber es ist trotzdem natürlich ein Unterschied. Andreas Starke hat zwei Jahrzehnte das Oberbürgermeisteramt geprägt und es waren auch bestimmte Abläufe und Strukturen recht festgefahren, in die ich mich eingefügt habe. Jetzt nach unserem gemeinsamen Neustart tarieren wir ein gemeinsames System aus. Wie kann das Arbeiten funktionieren? Welche Systeme kann und muss man neu gliedern? Das finde ich schon sehr bereichernd und positiv.
SEBASTIAN M. NIEDERMAIER:
Wie ist es denn für dich, Jonas, dass jetzt auch eine Frau im Team ist?
JONAS GLÜSENKAMP:
Ich finde das super und ich habe auch das Gefühl, dass es viele Themen gibt, die dir, Eva, sehr wichtig sind. Zum Beispiel das Soziale oder auch die Kultur. Das erlebe ich als Bereicherung für mich als Sozialreferent. Ja, es ist sehr schön, dass es jetzt noch jemanden gibt, der diese Themen mit Herzblut bearbeitet.
SEBASTIAN M. NIEDERMAIER:
Eva, du bist ja am überraschendsten in die Bürgermeister-Position gekommen. Wie war für dich der Start?
EVA JUTZLER:
Der war auch für mich tatsächlich überraschend. Das war ja nichts, was lange im Vorfeld in irgendeiner Form geplant werden konnte. Es wurde verhandelt, die neuen Mehrheitsverhältnisse analysiert und geklärt, welche Position wohin geht.
Als sich dann irgendwann herauskristallisierte, dass wir als SPD dieses Amt noch einmal besetzen dürfen und die Frage an mich gerichtet wurde, ob ich mir das vorstellen könnte, habe ich spontan zugesagt. Was gut war, denn wenn ich groß überlegt hätte, hätte ich mich vielleicht nicht mehr getraut


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