
Die Karriere der Kronacherin Daphne de Luxe
Die Welt ist größer als der eigene Suppenteller
Daphne de Luxe ist als Comedian und Moderatorin Gastgeberin der Ladies Night in der ARD. Aufgewachsen ist sie mitten in Oberfranken, in Neuses bei Kronach. Kürzlich war sie mit ihrem Programm „Geduldsproben“ in Hallstadt, vor der Haustür ihrer Kindheit, zu Gast. Sie packt die Gelegenheit am Schopf und geht mit ihrem Team in Bamberg Schäuferla essen, besucht ihre Familie und freut sich auf ausgezogene Krapfen. „Franken und den Frankenwald kannst du verlassen – aber er wird immer in deinem Inneren sein. Das bekommst du nicht raus“, erzählt sie wenige Stunden vor der Hallstadter Show.
„Der Humor und die Bodenständigkeit der Franken prägen auch mein Programm bis heute“, sagt sie. Neuses ist für sie die Familie, Bamberg die Jugend – dort machte sie ihre Ausbildung an der Fremdsprachenschule. „Wenn ich hier bin, ist das für mich die pure Erinnerung daran, wie ich in meiner Jugend hier die Treppen rauf und runter gejagt bin.“ Wenn sie an ihren Onkel Hans und ihre Oma denkt, dann sind das die Fundamente ihrer Karriere als Comedian. „Meine Oma musste viel ertragen. Aber in verbalen Retourkutschen war sie sowas von schnell. Ihr Mund war ein Archiv und eine Waffe zugleich.“ Ihr Lieblingsonkel Hans war das auch wegen seiner Schlagfertigkeit. Die kannte fast keine Grenzen. Und es konnte schon mal passieren, dass dann seine eigene Schwester länger nicht mehr mit ihm redete.
Doch es geht Daphne um mehr, als ihre Oma oder ihren Onkel nachzumachen. „Mir ist wichtig, dass mein Humor niemanden verletzt. Zumindest nicht absichtlich.“ Je näher sie an ihrer Heimat auftritt, desto genauer überlegt sie sich, ob sie nicht noch Sprüche und Späße entschärft. Die Grundlage dafür ist der humorvolle Blick auf sich selbst. „Die Menschen sollten generell mehr über sich selbst lachen. Ich arbeite viel mit Selbstironie und mache mich dabei bewusst auch zum Ziel meines Humors – damit habe ich kein Problem.“ Zum Beispiel wenn sie im Urlaub beim Jet-Ski zwei Schwimmwesten braucht. „Eine hat bei meiner Oberweite nicht gereicht“, lacht sie.

„Was ich nicht selbst lustig finde, kommt auch nicht ins Fernsehen“, sagt sie. Dort arbeitet sie gemeinsam mit Autoren an Ideen für die Ladies Night Sendung. „Doch ich entscheide, was wir dann nehmen. Ich versuche immer, ich selbst zu sein.“ Viel davon hat sie hier in ihrer Heimat gelernt. „Ich bin Problemlöserin. Das ist ein großer Unterschied zu Menschen in den Städten. Hier musst du notgedrungen Lösungen finden, nicht reden – sonst kommst du nicht zur Party und auch nicht nach Hause.“
„Der Frankenwald war nie schick. Er ist bodenständig. Das habe ich inhaliert, jeden Atemzug.“ Daphne de Luxe, die den bürgerlichen Namen Haderlein trägt, bekommt Sparsamkeit eingetrichtert: „Mach ja keine Schulden.“ Und sie ist naturverbunden aufgewachsen. „Das prägt mich bis heute“, sagt die Hühnerhalterin. Die Freundinnen von damals kommen nach der Show zu ihr und fragen: Kennst du mich noch? – „Auch nach Jahrzehnten muss ich bislang sagen: Ich habe mich an jede erinnert. Nicht immer an den Namen, aber an die Gesichter.“
Bis sie an ihrem jetzigen Wohnort Hannover ankam, hat sie viele Stationen in Deutschland hinter sich. „Ich habe mich von Süden nach Norden hochgearbeitet“, lacht sie. Und mit den Erfahrungen hat sie gemerkt, dass „die katholische, konservative Schutzglocke meiner Kindheit bröselt“. Sie hat sich gelöst von der ewigen Angst, was denn die Nachbarn denken werden. Und sie hat Menschen erlebt, die das nicht geschafft haben. Wie ein Freund aus Oberfranken, der „keine Chance hatte, sein Leben frei zu leben“. Er ist einsam während Corona viel zu früh gestorben. „Mir hat er anvertraut, dass er homosexuell ist – und er hat es ein Leben lang versteckt.“ Noch gibt es das Lied für diesen verstorbenen Freund nur live. „Es geht total unter die Haut. Mir in jedem Fall. Und zwar jedes Mal, wenn ich es singe.“
„Wenn ich etwas erreichen will, dann vielleicht, dass sich die Köpfe etwas öffnen und liberale Ideen und Ansichten eine Chance bekommen“, sagt sie – jetzt ganz ernst. Ihre Erinnerungen sind gerne ans Essen gekoppelt, wie die Fischbrötchen oder das Schaschlik auf dem Schützenfest. Und so wählt sie den Vergleich auch hier: „Menschen, die verstehen, dass die Welt größer ist als ihr eigener Suppenteller. Das würde ich mir wünschen. Für alle.“


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