… die Kunst und eine Marderfamilie

Mein Haus steht am Wasser, ja sogar einseitig darin. Das habe ich mir nicht ausgesucht; ich wohne seit 16 Jahren in einer Dienstwohnung direkt über meinem Büro. Mein Vertrag verpflichtet mich zur Bewohnung der Anlage. Das ist vor allem dann praktisch, wenn laut bayerischer Flaggenordnung früh morgens am Samstag oder Sonntag zum Beispiel die Direktorin halb im Morgenmantel und noch bevor andere menschliche Augen sie erblicken könnten, die Fahnen hisst.

Diese „kleinste Dienststelle Bayerns“ befindet sich in Bambergs Villa Concordia, dem Neuen Ebracher Hof und dem Garten der Concordiastraße 28. Mit einer kleinen feinen Zahl an Mitarbeitern ist es meine Aufgabe, vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst eingeladene Künstlerinnen und Künstler in 12 Wohnungen und 8 Ateliers zu beherbergen und zu betreuen, dazu ein Veranstaltungsprogramm zu gestalten, das Publikum lockt und zur Begegnung mit internationalen künstlerischen Positionen des 21. Jahrhunderts einlädt. Kuratorisch bin ich nur selten tätig, aber hin und wieder gerne.

12 Künstlerinnen und Künstler können parallel mit ihren Familien bei uns leben. Oft begleiten Partnerinnen, Partner und Kinder die vier Bildenden Künstler, vier Literaten, vier Komponisten. Die Hälfte der Gäste stammt aus Deutschland, die andere Hälfte aus einem Gastland. In 2026/27 ist es das „tschechische Jahr“, ausgerichtet am Gastland der Buchmesse Frankfurt.

Der neue Jahrgang zieht immer Mitte April zu uns und verlässt uns nach 5 oder 11 Monaten, so dass das Jahr sich Mitte März beschließt. Nach einem knappen Monat der Wiederherstellung sind wir Mitte April bereit für den Neubezug. Das ist die Zeit, in der ich die bewährten Formeln, das Prozedere des Stipendiums, die Schönheiten Bambergs und die Pflichten, die mit der Bewohnerschaft eines Schlossbaus einhergehen, wiederhole.

Künstlerinnen und Künstler, damit Kunstförderung und Perspektiv-Vielheit spielen in Bayern eine verfassungsgeschützte Rolle. Im Künstlerhaus werden sogar Künstlerinnen und Künstler bevorzugt eingeladen, die zwischen Mitte 40 bis Mitte 80 Jahre alt sind und denen ein solches Stipendium als Auszeichnung für ihr Lebenswerk natürlich zusätzlich eine besondere Ehrung bedeuten mag.

Es ist für mich – selbst Künstlerin und seit 26 Jahren veröffentlichte Autorin und Performerin – eine große Freude, anderen Künstlerinnen und Künstlern zur Seite zu stehen, aber auch selbst noch meiner Tätigkeit nachkommen zu dürfen.

An dieser Stelle könnten die Geigen einsetzen und der rote Samtvorhang ins Bild schwingen, nicht? Alles schön und gut – offensichtlich. Die Frau hat aber noch gar nichts erwähnt, was mit dem praktischen Leben auf dieser Kunstplantage zu tun hat!

Die Sorgen des Haustechnikers werden ganz andere sein als die der künstlerischen Leitung. Und dann die Gebäude… zweimal Altbau, einmal ein Appartementbau aus den frühen 2000ern mit Glasfront! Wer putzt denn das alles?

Wenn Stipendiaten – die kriegen also Geld und haben sich nicht mal beworben, sondern sind einfach ausgewählt worden von Jury und Ministerium?! – mit Familie einziehen, dann auch mit Haustieren usw?

Haustiere müssen leider draußen bleiben. Dafür residiert eine Marderdynastie unter dem Dach, Entenpaare sitzen sonnend auf unserer Gartenmauer, die Buchse müssen vom Zünsler und seinen Myriaden befreit werden und manchmal kreuzt der Biber den noch morgennebligen Garten.