
Es sind Menschen der Tat, Nimmermüde, Antreiber, Gestalter, Vorwärtsstrebende, Aktive. Es gibt sie auf der großen Bühne, seltener im
Verborgenen, aber auch da. Sie stellen sich vor. Im KRONACHER. In jeder Ausgabe einer oder eine – Männer und Frauen oder Diverse.
Dieses Mal: Fünf Standorte in den Landkreisen Sonneberg und Kronach: Eva Vetter versucht an jedem mindestens einmal in der Woche zu sein. Manchmal setzt sie sich einfach mit hinter den Tresen und klappt ihren Laptop auf. Die Autofamilie Vetter hat 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – die Menschen stehen bei ihr im Mittelpunkt. Und sie kennt sie alle mit ihren Namen. Heute hat sie zwischen zwei Terminen in Kronach Zeit, vorbei am Tresen, hoch in den Besprechungsraum im ersten Stock…
KRONACHER: Was macht eine Macherin heute aus?
Eva Vetter: Bewegung und Verantwortung übernehmen. Für mich als Unternehmerin steht hierbei die strategische Entwicklung unserer Autofamilie an erster Stelle. Die Branche, in der wir uns bewegen, macht uns das zwar alles andere als leicht. So gut wie keine Planungssicherheit und eine hohe Abhängigkeit von den Fahrzeugherstellern – keine gute Basis fürs „Machen“. Aber genau deshalb brauchen wir ein starkes Fundament, unsere 200 Mitarbeitenden. Und genau die sind es mir auch wirklich wert, täglich Verantwortung zu übernehmen.
KRONACHER: Verantwortung übernehmen ist ein gutes Stichwort. Sie mussten das ja recht früh. Was haben Sie von Ihrem Vater in Bezug auf das Machen übernommen?
Eva Vetter: Führung bedeutet vor allem, Vertrauen in Menschen setzen. Und genau dieses Vertrauen hat mein Vater in mich gesetzt. Er hat mich vom ersten Tag an in allen wichtigen Entscheidungen mit einbezogen. Wir waren für die Führung des Unternehmens gleichwertig. Wir haben beide gemerkt, wie wertvoll das ist. Ich höre aus Unternehmerkreisen immer wieder von den Schwierigkeiten, wenn ein Unternehmen in die nächste Generation übergeben wird. Bei uns war das einfach anders. Leider schreibt das Leben seine eigene Geschichte. Und so musste ich viel früher als gedacht meinen Weg ganz ohne meinen großen Mentor weitergehen.
KRONACHER: Dieser persönliche Weg ist also eng verknüpft mit dem was in den letzten Jahren in Ihrem Unternehmen passiert ist?
Eva Vetter: Ja, heute setze ich das Vertrauen in die Mitglieder meiner Autofamilie. Meine Führungskultur ist geprägt von Kommunikation. Sowohl innerhalb unserer Autofamilie als auch extern. Wir müssen kommunizieren und damit unsere Schritte greifbar machen. Wir wollen der größte automobile Dienstleister der Region bleiben. Das bedeutet, unsere Kunden und unsere Mitarbeiter müssen unsere Benefits verstehen. Ich gestehe meine Schwächen ein, hole mir Wissen von meinen Mitarbeitern, frage mich bei jeder Aufgabe: Wer hat bei uns in der Firma die Kompetenz dafür. Das macht stark. Ich bin noch recht jung. Ich bin eine Frau. Ich arbeite in einer Männerdomäne. Und ich habe in unserer Autofamilie immer erlebt, dass ich vollen Respekt habe. Ein gemeinsames Miteinander auf Augenhöhe ist für mich die Basis unserer Autofamilie.
KRONACHER: Wie können Sie andere zum Machen anstecken?
Eva Vetter: Ich liebe meinen Job und das zeige ich auch sehr gerne. Und ich kommuniziere sehr viel. Meine Mitarbeiter müssen wissen, was im Unternehmen passiert. Dafür haben wir beispielsweise einen internen monatlichen Newsletter und eine alljährliche Betriebsversammlung mit allen 200 Mitarbeitenden. Wer Wissen hat, kann besser handeln. Das kommt wieder allen zugute. Ich habe mir unzählige Male gedacht: Schaffst du das? Ja, ich hatte Selbstzweifel. Gewachsen bin ich mit meinem Team. Immer wieder reflektieren. Und dann besonders mit der Geburt meiner Tochter. Irgendwann in der Schwangerschaft hat mein Körper stopp gesagt. Es ging nichts mehr. Ich war im Bett und hatte ein Handy. Das wars. Ich wusste nicht, ob das gut geht. Und wissen Sie, was passiert ist? Die ganze Autofamilie ist weitergelaufen, weil wir gut und klar geführt haben. Die Kommunikation und das Vertrauen haben sich ausgezahlt. Das hat wiederum mich gestärkt.
KRONACHER: Ist die Region eine gute Region, um als Macherin aktiv zu sein?
Eva Vetter: Wir haben tolle Mitarbeiter und tolle Kunden. Insofern ist das eine gute Region. Es gibt viele Menschen, die sich engagieren. Als Unternehmerin wünsche ich mir einen Kümmerer, der uns durch die vielen Behörden und die Bürokratie lotst. Mit Blick auf die Region merke ich, dass das Gemeinsame an vielen Stellen noch fehlt. Das geht beim Marketing los. Da fehlt aus meiner Sicht ein Gesamtkonzept. Wir haben eine Ausbildungsmesse in Perfektion – doch das ist nicht alles. Auch hier fehlt mir der Blick auf das Große und Ganze. Wir haben einen so liebenswerten Landkreis – da könnten wir ruhig auch gemeinsam für einstehen.
Das Gespräch führte Tim Birkner


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