
Für den COBURGER von Wolfram Porr
München ist jetzt also grün. Ein erst 35-jähriger homosexueller Grüner löst den bisherigen Amtsinhaber Dieter Reiter von der SPD nach zwölf Jahren als Rathauschef ab. Am Ende war sich der wohl etwas zu sicher, dass ihm nichts passieren könne und die Münchner ihm auch diesmal wieder das Vertrauen schenken würden. Satz mit X – des woar fei nix!
Dass sich Reiter kurz zuvor den (gut bezahlten) Posten als Aufsichtsrat beim FC Bayern München gekrallt hat, hätten die Münchner sicher noch akzeptiert. Doch hat er ihn – wieso auch immer – nicht angemeldet, so wie er das hätte tun müssen. „Mia Münchner san ehm‘ mia“, ja und die Wähler sind manchmal eben ganz schee belzerd und ungnädig, wenn es um kleine Lügen und Mauscheleien geht. Hochmut kam bei Reiter vor dem Fall. Und so freut sich der Monaco jetzt auf den 19. September.
Dann wird Dominik Krause als neuer OB auf dem Oktoberfest das erste Fass anstechen und nach dem obligatorischen „O’zapft is“ Ministerpräsident Markus Söder die erste Wiesn-Maß reichen. Ausgerechnet Söder, dem bei jedem Satz eines Grünen geradezu reflexhaft der Kamm schwillt und der gleich in den Gegenangriff übergeht, der bei ihm (besonders in Bierzelten) nicht selten unter die Gürtellinie geht. Horchd, des wird‘ a Spaß! Moll schaua, ob unserm Landesvater da ned die Gesichtszüge entgleiten!
Bei ihm gilt dieser Tage eher: „O‘gnervt isser!“ Denn die SPD hat zwar den OB-Sessel in München verloren, Söders CSU aber fast ein Viertel ihrer Bürgermeister- und Landratsposten. Was den MP direkt mal dazu veranlasste, pauschal auf die CSU-Kandidaten zu zeigen und jegliche Mitverantwortung kategorisch abzulehnen. Alles ihre eigene Schuld! Und beim nächsten Mal werde München genauer drauf schauen, dass sich für die CSU nur noch Gewinnertypen zur Wahl stellen. Gloar, bloß der ‚Food-Influencer‘ aus der Staatskanzlei hat widder kaane Fehler g‘macht.
Die Kommunalwahlen haben die Verhältnisse ja in so mancher Stadt auf den Kopf gestellt. Coburg und Bamberg waren da die große Ausnahme. In Coburg hat Amtsinhaber Dominik Sauerteig seinen OB-Posten verteidigen können und brauchte dazu nicht mal eine Stichwahl. In Bamberg gibt’s zwar einen neuen OB; der ist aber wie sein Vorgänger wieder von der SPD. Anders sah es im übrigen Oberfranken aus. In Bayreuth, Hof und Forchheim gewannen jeweils die Herausforderer, und sogar in Neustadt bei Coburg gab es einen Wechsel – da wo Frank Rebhan von der SPD sage und schreibe 31 Jahre lang die Geschicke der Stadt führte – so lange wie kein anderer Oberbürgermeister in Deutschland. Tja, so ist das in einer Demokratie. Der Wähler hat gesprochen, und das gefällt eben nicht jeder und jedem.
Sechs Jahre haben die Stadtoberhäupter nun also wieder Zeit, die Weichen in ihren Städten so zu stellen, wie ihnen das vorschwebt. Bis sie danach vielleicht wieder abgewählt werden. Aber immerhin sechs Jahre!
So ist nachhaltige Politik – und das wünschen sich ja ganz viele Wähler – auf kommunaler Ebene noch eher möglich als im Bund oder im Land, wo alle vier bzw. fünf Jahre gewählt wird. Leider sind die Kassen leer, und so manches Versprechen wird auch diesmal nicht zu halten sein. Schwimmbäder, Bibliotheken, Kitas, Sportstätten – alles nicht mehr so leicht finanzierbar. Schwierig!
Nachhaltige Politik – zumindest auf Landesebene sollte das im Freistaat bei der nun seit 1957 andauernden CSU-Regierung (die meiste Zeit davon ohne Koalitionspartner) kein Problem sein. 70 Jahre, da kann man mal was entwickeln. Ein gesundes Selbstbewusstsein zum Beispiel, aber natürlich auch Wirtschaftskraft und Modernität, immer im Gleichklang mit Heimatliebe („Laptop und Lederhose!“).
Dass dabei die eine oder andere Region etwas auf der Strecke geblieben ist und bei aller politischen die ökologische Nachhaltigkeit zu wünschen übrig lässt: Is‘ halt so! Man kann ehm ned alles gleichzeitig machen, gell Gut ist, dass Markus Söder auf jeden Fall noch eine Amtszeit dranhängen will.
2018 hatte er sich zwar noch für eine Begrenzung der Amtszeiten für bayerische Ministerpräsidenten auf zehn Jahre starkgemacht („was man in zehn Jahren nicht schafft, ist auch später nicht mehr möglich“). Aber Söder wäre nicht Söder, wenn ihn sei G’schwätz von gestern noch interessieren würde. Nun argumentiert er: „Franz Josef Strauß hat einmal gesagt: An der Spitze meiner Nachfolger stehe ich selbst an erster Stelle.“ So hat Dieter Reiter in München auch gedacht…
Schätzla, schau wie iech schau!


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