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Forschende der Hochschule Coburg bringen den Wald ins Labor: Sie analysieren, wie stark Waldökosysteme durch Kunststoffeinträge belastet sind und wie sich das auf Bodenfunktionen, Mikroorganismen und die Gesundheit der Wälder in Deutschland auswirkt.
Ohne Kunststoffe läuft heute fast nichts mehr: Sie stecken in Verpackung, Kleidung, Autos – und längst auch im Wald: Wuchshüllen schützen junge Bäume vor Wildverbiss und sind aus der modernen Forstwirtschaft kaum wegzudenken. Menschen, die Sport und Erholung genießen, tragen Kunststoff e in die Wälder. Und von Straßen durch Waldgebiete gelangen durch Reifenabrieb kleinste Kunststoffpartikel in das Ökosystem. Aber welche Folgen hat das für Bodenfunktionen, Mikroorganismen und die Waldgesundheit? Bisher existieren dazu weder belastbare Monitoring-Daten noch etablierte Methoden.
In einem bundesweit einmaligen Forschungsprojekt untersuchen die Hochschule Coburg und die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg nun erstmals systematisch, welche Kunststoff arten in welchen Mengen in den Wald gelangen und wie sie das Ökosystem beeinflussen. Dafür wird der Kunststoffgehalt in 42 Waldflächen in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen analysiert. Forest Health & Plastics (ForestHP) heißt das wegweisende neue Forschungsprojekt, das aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Förderprogramm „Nachhaltige Erneuerbare Ressourcen“ durch das Bundesministerium für Landwirtschaft , Ernährung und Heimat gefördert wird. Projektträger ist die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).

Die Kompetenzen der beiden beteiligten Forschungseinrichtungen ergänzen sich dabei ideal: „Mit unserer modernen Laborinfrastruktur und unserem Promotionszentrum Analytics4Health haben wir in Coburg ideale Bedingungen für die mikrobiologisch-bioanalytischen Arbeiten“, erklärt Prof. Dr. Matthias Noll vom Institut für Bioanalytik (IBICO) der Hochschule Coburg. Als Experte für Bodenmikrobiologie untersucht er mit seinem Team die sogenannte Plastisphäre. „Das sind mikrobiologische Lebensgemeinschaft en, die sich auf Kunststoffoberflächen im Boden ansiedeln.“ Mit Mikrobiologie, Molekularbiologie und Kunststoffanalytik hat die Hochschule umfassende Erfahrungen. Auch Studierende im Bachelor-Studiengang Bioanalytik, den Noll leitet, beschäftigen sich beispielsweise damit.
Die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg wiederum hat langjährige Expertise zum Waldbau und bringt aus früheren Forschungsprojekten wertvolle Daten zur Verwendung von verschiedenen Wuchshüllen-Typen in der Forstwirtschaft mit. Im Projekt übernimmt Rottenburg unter anderem Standortwahl, forstliche Charakterisierung und den Transfer in die forstliche Praxis. Wertvoll ist auch die Expertise zur Ökobilanzierung: Dabei wird sichtbar, wo im Lebenszyklus eines Produktes ökologische Belastungen entstehen – und wie sie sich reduzieren lassen. Dieses Wissen wird auch an Waldbesitzende, Forstakteure und die Öffentlichkeit weitergegeben.
Ergänzt wird das Projekt in Coburg durch weitere Forschungsarbeiten, mit denen beispielsweise das Thema Wiederaufforstung ökologisch und sozioökonomisch neu gedacht wird. Eine bundesweite Aktion ist der Waldputztag im Frühjahr, der dieses Jahr erstmalig in einem Waldstück nahe Coburg stattfand. Hochschulangehörige streiften sich Arbeitshandschuhe über und sammelten Kunststoffreste im Wald. Der ganzheitliche Blick auf den Wald – von Bodenmikroben über Plastikanteile bis hin zu solchen Maßnahmen direkt vor Ort, hilft langfristig die Gesundheit unserer Wälder zu fördern.
www.hs-coburg.de


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