Theater ist wie Wasser

Warum John von Düffel gerne schwimmen geht

Seit einem Jahr leitet John von Düffel das ETA Hoffmann Theater in Bamberg. Der Schriftsteller und Dramaturg bringt nicht nur viel Theatererfahrung, sondern auch eine bemerkenswerte Zugewandtheit und Bürgernähe mit ins Weltkulturerbe. Im Gespräch mit dem BAMBERGER erzählt von Düffel von seinem Ankommen in Bamberg, von der Kunst, ein Theater zu führen, der Bamberger Stadtgesellschaft und warum er es liebt, vor und nach seinem täglichen Wirken am Schillerplatz in der Regnitz abzutauchen.

BAMBERGER: Wir hatten einen wunderbaren Sommer. Ok, dem einen oder anderen war es etwas zu heiß. Aber für Sie als begeisterter Schwimmer waren die Temperaturen doch sicherlich wunderbar.

John von Düffel: Ja, natürlich habe ich Anfang Oktober etwas wehmütig akzeptieren müssen, dass die Hainbad-Saison endete. Was aber ja nicht bedeutet, dass ich nicht mehr in die Regnitz zum Schwimmen gehen kann. Solange die Wassertemperatur so zwischen 12 und 14 Grad liegt, mache ich das noch mit. Aber irgendwann ist dann natürlich Schluss. Dann wechsle ich ins Bambados, dort habe ich meine Winterschwimmheimat gefunden. Insofern ist dieses Problem lösbar. Einfach perfekt!

BAMBERGER: Was verbinden Sie mit dem Wasser? Oder anders gefragt: Was fasziniert Sie so an diesem Element?

John von Düffel: Schwimmen ist einfach meine Lieblingssportart. Für mich ist es die beste Art, um abzuschalten – nach einer intensiven Probe oder am Nachmittag vor einer Vorstellung. Einfach ins Wasser zu springen, zu schwimmen, den Kopf freizukriegen. Und danach wieder erfrischt und abgekühlt mit großer Freude und Kraft zurück ins Theater oder in die Proben zu gehen und erleben zu dürfen, was das Theater dann wiederum in einem bewirkt.

BAMBERGER: Wasser ist also Ihr Element?

John von Düffel: Auf jeden Fall. Wasser ist schon das Element der Verwandlung. Man verwandelt sich irgendwie auch ein bisschen im Wasser. Und Theater ist auch ein Verwandlungsmedium. Menschen auf der Bühne verwandeln sich und werden größer als sie selbst sind, oder bedeuten mehr, als man vielleicht im normalen Leben bedeutet. Das ist auch schon Magie. Und das fasziniert mich am Wasser wie am Theater.

BAMBERGER: Sie haben jetzt die erste Spielzeit hinter sich, die zweite hat gerade begonnen. Haben sich bislang Ihre Vorstellungen von Bamberg erfüllt? Fühlen Sie sich wohl in Ihrer neuen Heimat? Und konnten Sie sich schon richtig einleben?

John von Düffel: Das Einleben ging in Bamberg wirklich sehr, sehr schnell. Ich finde, Bamberg ist auch eine unglaublich freundliche, gastfreundliche Stadt. Und was das Theater angeht, war am Anfang für mich alles irgendwie eine große Wundertüte. Ich habe von Beginn an diese große Neugier beim Publikum und der Stadtgesellschaft gespürt.

BAMBERGER: Was Sie zusätzlich motiviert hat?

John von Düffel: Natürlich kann man eine Neugier auch enttäuschen. In diesem Fall ist es aber wirklich gut gegangen. Die Besucherzahlen konnten wir im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent steigern, das heißt also, dass wir das Anderthalbfache an Menschen erreicht haben. Das merkt man, das Haus war erleuchtet, die Menschen waren da. In unserer Treffbar wurde noch nach den Vorstellungen gesessen, getrunken, gelacht, geredet. Im Foyer standen die Menschen lange zusammen, und es war ein belebter, einladender Ort. Meine große Maxime lautet: Theater muss verbinden, nicht unbedingt polarisieren. Unsere Gesellschaft ist doch schon polarisiert genug. Theater sollte ein verbindender Ort sein, der Menschen zusammenbringt und ihnen Gespräche, Erlebnisse, Erfahrungen schenkt. Wo man sich austauscht, wo man bewegt oder berührt ist und auch mal laut lachen darf und kann.

BAMBERGER: Das ETA Hoffmann Theater ist also zurück in der Stadtgesellschaft.

John von Düffel: Ja, wir sind sehr erfolgreich in meine erste Saison gestartet, haben viele neue Abonnenten gewinnen können. Noch vor Spielzeitbeginn war ich sehr stolz darauf, dass jeder 60. Bamberger ein Theater-Abo hat. Damals äußerte ich den Wunsch, dass ich am Ende meiner Ära davon sprechen möchte, dass jeder 50. Bamberger eines besitzt. Dieser Zustand ist jetzt schon erreicht. So darf ich mir ein neues Ziel setzen. Wir haben ein wunderbares Wir-Gefühl im Haus, aber eben auch mit dem Publikum. Der beste Beweis dafür ist unsere Theatercard, die man kostenlos zum Abo dazubekommt. Die damit verbundenen Zusatzangebote und Sondervorstellungen werden sehr dankbar angenommen.

BAMBERGER: Sie sind weit gereist, auf vielen Bühnen zu Hause. Was hat Sie an Bamberg überrascht, womit haben Sie nicht gerechnet?

John von Düffel: Die Musikalität der Stadt. Diese hat natürlich auch mit den Bamberger Symphonikern zu tun. Ich genieße es sehr, wenn sich Schauspieler und Musik verbinden. Was wir mit einigen Produktionen bewusst forciert haben. Wir haben auch eine besondere Form entwickelt, diese nennt sich „In Concert“. Wir werden zudem die Weihnachtsgeschichte in Kooperation mit der Städtischen Musikschule Bamberg auf die Bühne bringen. In der zweiten Spielzeithälfte spielen wir „Woyzeck Volxmusik“, wo auch Musik und Schauspiel miteinander verzahnt werden. In Bamberg gibt es ein hohes kulturelles Selbstverständnis. Viele Menschen sehen hier die Kultur als Teil ihres Lebens an. Das hat sicher mit dem Weltkulturerbe zu tun. Das hat aber auch mit der Gesellschaft zu tun. In Bamberg wird das Miteinander stärker gelebt, als das in vielen anderen Städten der Fall ist.

BAMBERGER: Das klingt, als ob Sie sich wirklich sehr wohl in Bamberg fühlen.

John von Düffel: Ja, ich bin natürlich mit sehr vielen positiven Erwartungen nach Bamberg gekommen. Und vielleicht ist die größte Überraschung, dass diese nicht enttäuscht worden sind.

BAMBERGER: Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Bamberg?

John von Düffel: Schon die Regnitz. In Laufweite meiner neuen Heimat, dem Theater. Der Schillerplatz ist mein wirkliches Zuhause, hier bin ich mehr als in meiner Wohnung. Aber wann immer ich aus dem Theater herauskomme, bin ich entweder im Fluss oder im Schwimmbad. Insofern ist das Wasser auch hier meine Heimat.

BAMBERGER: Kommen wir noch kurz zur neuen Spielzeit. Gibt es eine Aufführung, auf die Sie sich ganz besonders freuen?

John von Düffel: Eine schwierige Frage, natürlich freue ich mich auf jede Produktion. Aber es gibt schon ein paar ganz besondere Highlights. Ich kann hier mal unser unglaubliches Ensemble nennen. Ich durfte mit außergewöhnlichen Schauspielerinnen und Schauspielern in meine Premierensaison starten und wir konnten uns jetzt noch einmal verstärken. Echte Entdeckungen, muss ich sagen. Auch im bundesweiten Vergleich. Ich bin von der Qualität des Ensembles ja nicht nur deshalb so begeistert, weil sie alle auf der Bühne Herausragendes leisten. Ich darf mit diesen Menschen auch jeden Tag zusammenarbeiten.

Ich freue mich darauf, dass Florian Walter, der sozusagen zum Inventar des Hauses gehört und ein immer neugieriger, wacher Schauspieler ist, die Rolle als Scrooge in der Weihnachtsgeschichte spielt und dabei nochmal ganz viele Herzen erobern wird. Diese Paraderolle des Weihnachtshassers, der dann anfängt, Weihnachten doch zu lieben, weil er durch den Besuch seiner Weihnachtsgeister dazu gebracht wird. Das ist eine tolle Rolle für ihn und ich freue mich so, dass er so mitgegangen ist mit den neuen Kolleginnen und Kollegen.

Und dann freue ich mich natürlich enorm auf Daniel Seniuks Show »Große Geister«, die ja unser Spielzeitmotto im Namen trägt. Hier kommen die ganzen Geister des ETA Hoffmann Theaters nochmal zur Geltung in einer wirklich sehr verrückten Show. Das wird großes Entertainment, denn Daniel ist ja nicht nur ein toller Schauspieler, sondern auch ein begnadeter Moderator und Showmaster. Er wird da schon die Puppen zum Tanzen bringen.

BAMBERGER: Und dann kommt ja noch der Jahreswechsel …

John von Düffel: An Silvester spielen wir die ganze „Große Geister“-Show gleich zwei Mal: Um 17 Uhr in der „leicht beschwipst“-Variante, und um 21 Uhr bei der zweiten Vorstellung in der „stärker beschwipst“-Variante. Natürlich alles im Rahmen, aber eben in echter Sektlaune. Einfach dem Anlass entsprechend.

BAMBERGER: Ein schönes Schlusswort. Viel mehr kann man sich zum Jahreswechsel kaum wünschen.