Von ungewöhnlichen Bildern und ungewöhnlichen Orten

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In Au bei Küps hat Udo Müller einen außergewöhnlichen Kunsterlebnisraum geschaffen. Hier zeigt er seine „Stonepaintings“: Wandobjekte mit Tiefgang und Tiefenschärfe, die aussehen wie gemalt, die er jedoch in Mosaiktechnik kreiert. In Zusammenarbeit mit dem Kronacher Kunstverein zeigt er seine Arbeiten im Rahmen einer Atelierschau.

Es ist ein Raum, der staunen lässt, der berührt und der dazu einlädt, inne zu halten. Völlig unerwartet, mitten in dem kleinen Ort Au bei Küps. In einer ehemaligen Bäckerei hat der Künstler Udo Müller einen Raum geschaffen, der Kunst – abseits vom üblichen Galerie- oder  Museumsbetrieb – erlebbar macht. Kunst, die ebenso ungewöhnlich ist wie der Raum, in dem sie gezeigt wird. „My private Sistine“, seine ganz persönliche Sixtinische Kapelle, nennt Udo Müller dieses Gesamtkunstwerk aus Raum und Objektkunst augenzwinkernd. Wandobjekt reiht sich hier an Wandobjekt und bildet ein funkelndes, farbintensives visuelles aber auch emotionales Erlebnis.

Tausende kleiner Fragmente – Fliesen, Spiegel, Glas, Naturstein oder auch Metall – fasst der Künstler in seinen Bildern zusammen. Dabei hat er über die Jahre seine Technik immer weiter verfeinert. „Mein Bestreben ist es, auf Basis von Mosaiktechnik Wandobjekte zu schaff en, die dem Eindruck eines gemalten Bildes zumindest sehr nahe kommen“, so Udo Müller. Das „Stonepainting“, das Malen mit Stein, wie er es entwickelt hat, erfordert ein Maximum an Geduld und handwerklichem Können. Udo Müller schneidet und knippst das Material in feinste Stückchen. Von jedem Farbton benötigt er eine Vielzahl an Abstufungen – denn anders als beim Malen kann er seine Farben nicht anmischen, sondern muss Farbverläufe durch das Aneinanderreihen feinster Farbvarianten erzeugen.

Es sind oft politische oder gesellschaftskritische Themen, die er aufgreift , die er in Metaphern oder Chiffren kleidet, indem er sich auf die Bildwelt alter Mythologien bezieht. Ein häufiges Sujet in Udo Müllers Bildwelten ist Landschaft. Mit sensiblem Blick zeigt er das Schöne und Einzigartige. Hier werden seine farbintensiven Wandobjekte zu Liebeserklärungen an die Natur, an das Ursprüngliche und Ungebändigte.

Familiärerseits war dem Diplomkaufmann diese Art von Kunst nicht in die Wiege gelegt. Aber eine andere: Die Kunst des Backens. Udo Müller (71) ist zehnter Spross der über 250 Jahre alten Traditionsbäckerei „Traber Beck“ aus Au bei Küps. Doch bereits als Jugendlicher hat er zur bildenden Kunst gefunden. „Inspiriert von der Lebensphilosophie des Dichters und Malers Hermann Hesse, den Schriften des Psychoanalytikers und Philosophen Erich Fromm und angespornt durch die Scharfzüngigkeit und den Sarkasmus des Malers und Schriftstellers Henry Miller, fand ich sehr früh in der Malerei aber auch in der Schriftstellerei meinen Ausdruck“, so der Künstler. Während seiner Schulzeit und des Studiums der Betriebswirtschaft in München hält Udo Müller seine Gedanken in Romanen, in Zeichnungen, Aquarellen und mit Ölfarben fest. Entstanden sind in dieser Zeit vor allem surrealistische Arbeiten. Komplexe, oft traum- und auch albtraumgleiche, mit hoher technischer Raffinesse und akribischer Genauigkeit realisierte Bildwelten, die er mit seinem Pseudonym „Udopia“ signiert. Ein Name, der gleichsam für die Welt steht, wie sie Udo Müller sieht.

Obwohl im Herzen immer ein Künstler, sieht sich Udo Müller der Familientradition verpflichtet. Er absolviert nach dem Studium eine Bäckerlehre, die er als Meister abschließt. 1986 übernimmt er den elterlichen Betrieb und bringt das Unternehmen „Traber Beck“ zur Blüte. „Auch hier habe ich mich kreativ ‚ausgetobt‘ – nur eben anders“, bekennt er augenzwinkernd. Die Bäckerei hat Udo Müller mittlerweile aufgegeben. Aus dem ehemaligen Ladenlokal hat er nun einen Kunsterlebnisraum geschaffen, der weithin einmalig ist. Hier zeigt er einen Ausschnitt aus seinem mehrere hundert Exponate umfassenden Werk.

In Kooperation mit dem Kronacher Kunstverein lädt der Künstler zu einem Atelierbesuch ein.

Udo Müller: „My private Sistine“
Vernissage am Freitag, 15. Mai 2026, 18 Uhr
Öffnungszeiten (15.5. bis 12.6.)
jeweils Donnerstag und Freitag 18 bis 20 Uhr
Valentin-Fischer-Straße 10, 96328 Küps-Au
Mehr Infos: www.kunstverein-kronach.de