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Lee Liebscher ist 25 Jahre alt und in Rödental erfolgreich tätig mit Craniosacraler Traumaarbeit und Holistic Fascial Bodywork®: Mit ihrem „Berührungspunkt“ hat sie vor drei Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Mit Wissen, Expertise und Intuition begleitet sie Frauen dabei, sich selbst wieder zu spüren. Was als eigene Erfahrung begann, wurde zu Lees Wendepunkt und zur Grundlage ihrer heutigen Arbeit.
Lee, du hast dich vor rund drei Jahren im jungen Alter von nur 22 Jahren selbstständig gemacht mit deinem „Berührungspunkt“. Was hat dich selbst so berührt, diesen Weg mutig zu beschreiten? Meine eigene Reise ist der Schlüssel dazu. Schon als junges Mädchen habe ich erlebt, wie es ist, nach belastenden Erfahrungen den Kontakt zu sich selbst zu verlieren, ich fühlte mich innerlich abgeschnitten und wie betäubt. Ich habe alles versucht, um wieder „normal“ zu werden. Ich habe nachgedacht, analysiert, mich immer mehr kontrolliert und trotzdem hat sich für mich nichts verändert. Damals konnte ich die Signale meines Körpers noch nicht deuten. Heute weiß ich, dass mit mir nichts falsch war. Mein Körper hat mir nur gezeigt, was ich selbst lange nicht sehen und fühlen konnte. So habe ich verstanden, dass Körper und Psyche untrennbar miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Aus dieser persönlichen Erfahrung und meinem heute wissenschaftlich fundierten Wissen ist schließlich der „Berührungspunkt“ entstanden.
Welche Erfahrung war auf deinem eigenen Weg heilsam?
Ich habe selbst eine Cranio (Anm. der Redaktion: Abkürzung für Craniosacrale Therapie) bekommen. Eine Bekannte befand sich in der Ausbildung und wollte an mir üben. Ich war zunächst sehr skeptisch, weil ich bis dahin immer dachte, dass nur Gesprächstherapien etwas in unserer Psyche bewegen können. Doch diese erste Erfahrung hat etwas verändert. Ganz ehrlich: Ich fühlte mich wie auf Drogen, obwohl ich noch nie Drogen genommen habe (lacht). Etwas in mir wurde weich, ich fühlte mich zum ersten Mal sicher in meinem eigenen Körper – das war der Anfang. Dann kam Holistic Fascial Bodywork® in mein Leben. Damit konnte ich wieder Zugang zu meinen Gefühlen finden und begreifen, dass jede Emotion ihren Ausdruck im Körper hat. Beide Methoden haben mich und mein Leben um 180 Grad gedreht.
Was bewirken diese Methoden?
Unser Körper trägt Erinnerungen, die unserem Verstand oft nicht mehr zugänglich sind. Durch Präsenz und achtsame Berührung kann er beginnen, zu zeigen und zu verarbeiten, was lange gehalten wurde – mit tiefgreifender Wirkung. Diese Erfahrung hat mich dazu bewegt, Menschen auf ähnliche Weise zu begleiten. Daher habe ich mich, auf Basis meiner vorherigen Ausbildungen, in Craniosacraler Traumatherapie und Holistic Fascial Bodywork® weitergebildet.
Craniosacrale Traumatherapie. Haben viele Menschen Traumata?
Ich denke, wir alle tragen Traumata in uns, aber die wenigsten sind sich dessen bewusst. Viele Menschen spüren heute kaum noch wirklich, was in ihnen vorgeht. Die Spuren, die ein Trauma im Nervensystem hinterlässt, beeinflussen viele Prozesse, wie etwa Hormonhaushalt, Verdauung, Atmung, Immunsystem, Schlaf, Blutdruck und Muskelspannung. Wenn der Körper dauerhaft in Alarmbereitschaft bleibt, kann er nicht mehr richtig zur Ruhe kommen und regenerieren. Oft zeigen sich dann Beschwerden, für die keine medizinische Ursache gefunden wird. Diese sind ein Zeichen dafür, dass der Körper beginnt zu sprechen, wenn wir selbst verlernt haben zu fühlen.
Heißt das, dass unsere Körperhaltung von Prägungen und Emotionen beeinflusst wird?
Ja, der Körper erinnert sich, physiologisch. Emotionen sind keine Gedanken, sondern körperliche Zustände, die unseren Muskeltonus beeinflussen. Wird ein Impuls, wie etwa „Nein“ sagen, unterdrückt, muss der Körper ihn aktiv zurückhalten. Dieses Zurückhalten kostet Kraft, wir fühlen uns dann erschöpft vom scheinbaren „Nichts-Tun“. Mit der Zeit wird daraus deine Körperhaltung, Spannung und manchmal auch Schmerz. So formt sich der Körper aus dem, was wir fühlen, glauben und vermeiden. Jede Haltung erzählt eine Geschichte von Anpassung, Schutz oder Sehnsucht.
Gibt es Bereiche im Körper, die bestimmte Themen festhalten?
Ja, jeder Bereich steht in Verbindung mit bestimmten Bewegungen und Emotionen. Wenn wir etwas sagen wollten, aber geschwiegen haben, zeigt sich das z. B. oft im Hals oder Kiefer – der Körper hält die Reaktion, die damals nicht stattfinden durfte. Oft zeigt sich in diesem Zusammenhang in einer Behandlung tatsächlich etwas ganz Anderes als das, was der Verstand vorher erwartet hätte.
Wie kann man sich deine Arbeit vorstellen, kannst du das genauer beschreiben?
In meiner Arbeit verbinde ich zwei körperorientierte Ansätze: Die Craniosacrale Arbeit wirkt regulierend auf das Nervensystem – durch sanfte Berührung von den Füßen bis zum Kopf können meine Klienten wieder zurück in ihren Körper kommen. Bei Holistic Fascial Bodywork® gehen wir dann einen Schritt weiter. Durch gezielte Berührung im Gewebe, bestimmte Fragen und mit achtsamer Präsenz können sich Emotionen oder Erinnerungen zeigen, die das Gewebe gehalten hat. Beides greift ineinander: Erst wenn sich der Körper sicher fühlt, kann er loslassen. Und erst dann kann sich wirklich etwas verändern.
Du gehst mit deinen Berührungen wahrlich so tief, dass vieles ausbrechen kann bei deinem Gegenüber. Bietest du einen Safe Space?
Ja, absolut. Mir ist wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem alles Platz hat, jedes Gefühl, jede Wahrnehmung. Wenn sich Spannungen lösen, dann kann es zu vielen Reaktionen kommen. Manchmal zeigt sich das leise und sanft, manchmal wird es laut und wild. Ich biete dafür einen absolut sicheren Ort, an dem sich jede Frau in ihrem ganz eigenen Tempo öffnen kann.
Ist deine Arbeit gar eine Berufung für dich?
Ich würde sagen ja (lächelt). Diese Arbeit ist für mich viel mehr als ein Beruf – sie ist ein Teil von mir und meiner eigenen Geschichte. Sie hat mich gelehrt, zuzuhören, wahrzunehmen und Menschen dort zu begegnen, wo Worte nicht mehr reichen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als Anne Mohr-Bartsch, die Begründerin der Craniosacralen Traumatherapie, mich gefragt hat, ob ich die Ausbildung übernehmen möchte. Jetzt darf ich das weitergeben, was mich selbst so verändert hat.
„Cranium“ bedeutet Schädel und „Sacrum“ Kreuzbein : Bei der Craniosacralen Therapie können Blockaden ertastet werden, die den kreislaufartigen Fluss der Hirnflüssigkeit vom Gehirn über Wirbelsäule und Kreuzbein normalisieren.
Weitere Infos zu Lee, ihrer Arbeit und der Ausbildung findest du hier: mein-beruehrungspunkt.de @beruehrungspunkt_

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