Wir stehen für sichere Versorgung und sauberes Wasser

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Der Kronacher Landrat Klaus Löffler ist neuer Vorsitzender der Fernwasserversorgung Oberfranken. Der Verwaltungsrat aus acht Landräten und sieben Oberbürgermeistern wählte ihn einstimmig zum Nachfolger von Heinz Köhler. Für die FWO ist das eine Zäsur, weil Köhler seit über 50 Jahren eine stabile Säule des Verbandes war. Die FWO versorgt eine halbe Million Menschen rund um die Uhr mit sauberem Wasser. Löffler ist sich dieser Aufgabe und Verantwortung bewusst. Er diskutierte einen ganzen Tag mit den Führungskräften, er besuchte einen Tag lang Pumpwerke, Hochbehälter und Aufbereitung. Der KRONACHER trifft ihn in der neuen Leitwarte der FWO in Rieblich. Es ist das Nervenzentrum der sicheren Trinkwasserversorgung, für die sich die Kreise und Städte zusammengeschlossen haben.

KRONACHER: Auf dem Weg hier hoch haben Sie gesagt, die FWO brauche Freigeister und Menschen, die quer denken. Es geht um Wasser – das müssen Sie erklären.

KLAUS LÖFFLER: Das mache ich sehr gerne. Wir machen hier Vieles zur gleichen Zeit. Wir versuchen, in die Zukunft zu blicken. Wie versorgen wir unsere Kunden in 30 Jahren mit sauberem Trinkwasser? Gleichzeitig haben wir die Verantwortung jeden Augenblick, 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Dafür ringen wir jeden Tag um die richtigen Entscheidungen. Was müssen wir jetzt tun, um den Bestand zu pflegen und gleichzeitig in die Zukunft zu entwickeln. Das geht nur mit Wissen, Erfahrung und der Bereitschaft sich selbst immer wieder zu hinterfragen. Wir brauchen das Alte und das Neue zugleich. Das geht nur mit einem frischen, wendigen Denken. Das meine ich damit. Ich bin froh, dass Markus Rauh, unser Verbandsdirektor, mitgekommen ist. Er und seine 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen einen fantastischen Job. Wir können uns auf sie verlassen. Das ist unser Fundament für alles, was wir vorhaben.

KRONACHER: Was haben Sie denn vor?

Wir haben ein klares Ziel: Jeden Tag liefern wir unseren Kunden sauberes Trinkwasser. Immer. Wir dürfen nicht ausfallen. Das möchte ich nicht erleben – dafür arbeite ich mit ganzer Leidenschaft . Wir brauchen Innovationen und müssen neue Wege gehen, um wieder Investitionen auszulösen, zum Beispiel für unsere dritte Aufbereitungslinie hier in Rieblich. Es gibt bereits zwei Linien, die seit den 1970er-Jahren funktionieren, die problemlos ihre Jahresmenge liefern.

KRONACHER: Wozu brauchen Sie eine dritte?

MARKUS RAUH: Wir stecken mitten im Klimawandel. Was heißt das für einen Wasserversorger? Auch wenn der Verbrauch in den vergangenen Jahren konstant ist, gehen die Extremwerte immer weiter auseinander. In länger anhaltenden Hitzeperioden schnellt der Verbrauch nach oben. Diese Klimasituation wird künftig häufiger vorkommen. Darauf wollen wir vorbereitet sein. Denn auch unsere Kunden, die Stadtwerke und gemeindlichen Wasserversorger, tragen zu den immer höheren Spitzenverbräuchen bei. Zwei Drittel unserer Kunden haben eigene Brunnen und einen Anschluss an die FWO, um mit zwei Standbeinen immer sicher Wasser für ihre Bürgerinnen und Bürger zu haben. Die eigenen Brunnen schütten in Hitzeperioden oft ebenfalls weniger, weil wir einen geologisch nicht besonders geeigneten Untergrund haben. Diese Kommunen kaufen Wasser der FWO zu – und in Hitzetagen besonders viel. Wir haben jetzt geschaut, wo bei uns am ehesten ein Engpass entstehen könnte. Das Wasser aus der Ködeltalsperre ist ausreichend da. Unsere Leitungen und Pumpwerke sind inzwischen auf einem hohen Leistungsstand. Also müssen wir die Menge des Wassers in der Aufbereitung in den Blick nehmen.

KRONACHER: Und wo ist da die Innovation?

Klaus Löffler: Da sind wir wieder bei meinen Freigeistern. Wir betreiben hier Forschung. Seit zwei Jahren laufen hier in Rieblich drei Pilotanlagen. Wir wollen herausfinden, welches System das beste für künftige Anlagen ist. Das bauen wir dann. Innovation schafft Investition. Wir reden hier schnell über 20 oder 30 Millionen Euro. Das muss ein resilientes System sein, mit dem wir in die Zukunft gehen. Das müssen wir gut vorbereiten, akribisch testen und dann die richtige Entscheidung fällen.

Markus Rauh: Das Wasser aus der Ködeltalsperre ist Oberflächenwasser. Wir müssen es aufbereiten. Bislang versetzen wir es mit Kohlensäure, dann flocken wir das Wasser. Das sind Salze, die kleine
Schwebeteile aus dem Wasser an sich ziehen und binden. Dadurch werden sie größer – und wir können sie im nächsten Schritt herausfiltrieren. Zum Schluss wird das Wasser desinfiziert und etwas aufgehärtet, damit es mit den Wasserhärten unserer Kunden besser mischbar ist. Können wir diesen Prozess verbessern, sodass das Endprodukt wieder allen unseren Ansprüchen genügt? Darum geht es bei den Pilotanlagen. Wir arbeiten dafür eng mit dem Forschungsinstitut zusammen. Welche Aufbereitung ist wirtschaftlich? Wie kommen die verschiedenen Systeme mit unterschiedlichen Wassertemperaturen zurecht? Wie gut lässt sich die Kapazität steuern? Das sind nur drei von vielen Fragen, denen wir nachgehen. Bei der Verteilung des Wassers ist es übrigens nicht anders. Auch da fragen wir uns, wer wann wieviel Wasser brauchen wird. Und wir müssen simulieren, was passiert, wenn es an einer Stelle des Netzes einen Ausfall gibt.

KRONACHER: Was passiert dann?

Markus Rauh: Für unsere Kunden erstmal gar nichts. Unsere Hochbehälter halten genug Wasser vor, um beispielsweise Reparaturen vorzunehmen. Wir können heute schon viele Leitungen in zwei Richtungen betreiben. Auch das stabilisiert unser Netz in Krisenfällen. Dafür planen wir gerade die Ringschlussleitung, die den Bamberger, Scheßlitzer und Bayreuther Ast miteinander verbinden wird. Wir sind zwar der sechstgrößte Wasserversorger in Bayern, doch für die ganz große Planung brauchen wir den Freistaat, das können wir nicht alleine entscheiden. Die großen Veränderungen im Netz wird es nur zusammen mit Bayern geben – und nur mit Fördergeldern, die daran hängen.

Klaus Löffler: Wie wir uns entwickeln, ist von vielem abhängig. Ich bin immer dafür, miteinander zu handeln. Wir brauchen das Ministerium und das Wasserwirtschaft samt genauso wie die Politik. Ich bin froh, dass Markus Rauh extrem gut in Bayern und in ganz Deutschland vernetzt ist und wir die volle Unterstützung von unserem Landtagsabgeordneten haben. Auch hier sehen Sie: Wir haben die ganz großen Überlegungen der Wasserversorgung für ganz Bayern und ein mögliches Leck an einer unserer Leitungen gleichzeitig. Da müssen wir quer denken, um immer die besten Ergebnisse zu bekommen. Herr Rauh und ich telefonieren fast täglich, um das gut hinzubekommen.

Markus Rauh: Das A und O ist der Unterhalt, damit unser Netz in Takt ist und bleibt. Lecks an Leitungen werden Sie nie ganz verhindern können. Aber wir versuchen, die Folgen zu beherrschen.Wir hatten jetzt ein Jahr ohne Leitungsschaden und ein Jahr mit nur einem Ausfall. Das ist – wenn ich es mit anderen Versorgern vergleiche – wirklich vorzeigbar.