Zukunft möglich machen

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75 Jahre Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg

Was braucht eine Stadt, damit ihre Wirtschaft stark bleibt? Unternehmen, die investieren. Menschen, die Ideen entwickeln. Fachkräfte, die bleiben oder kommen. Flächen, auf denen Neues entstehen kann. Und vor allem: Menschen und Institutionen, die miteinander sprechen, statt nebeneinanderher zu arbeiten. Wirtschaftliche Entwicklung ist selten das Ergebnis einer einzigen großen Entscheidung. Meist ist sie das Resultat vieler kleiner Schritte, guter Verbindungen und manchmal auch der richtigen Idee zur richtigen Zeit.

Seit 75 Jahren ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg mbH, kurz Wifög, Teil dieses Prozesses. Beim Jubiläumsfest in der Pakethalle auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände wurde deshalb nicht nur zurückgeblickt, sondern vor allem deutlich, worauf es auch in Zukunft ankommen wird: auf Kooperation.

Mit Padora ging es los

1951 wurde die damalige Industrieförderungsgesellschaft gegründet. Der Anlass war pragmatisch. Bereits ein Jahr zuvor hatte die Stadt Coburg die frühere Radiofabrik Padora erworben – und damit einen ersten Schritt getan, um wirtschaftliche Entwicklung aktiv zu gestalten. Aus den Anfängen ist eine Institution geworden, die heute als Bindeglied zwischen Unternehmen, Stadtverwaltung und vielen weiteren Partnern wirkt.

Dabei hat sich die Vorstellung davon, was Wirtschaftsförderung eigentlich leisten soll, grundlegend gewandelt. Es geht längst nicht mehr nur darum, Unternehmen anzusiedeln oder Gewerbeflächen zu vermitteln. Es geht um Fachkräfte, Innovation, Fördermöglichkeiten, Netzwerke und um die Frage, wie sich eine Region in einer Zeit rasanter Veränderungen behaupten kann.

Entwicklungen im Jahrestakt

Wifög-Geschäftsführer Stephan Horn verweist deshalb mit einigem Stolz auf die Projekte, die in den vergangenen Jahrzehnten begleitet und vorangetrieben wurden: die ersten Gewerbezentren der 1950er-Jahre, das Kongresshaus, der Umbau des ehemaligen Hofbrauhauses oder die Revitalisierung von Schlachthof und Güterbahnhof. Solche Entwicklungen entstünden niemals allein, betont er: „Wir machen das immer mit Partnern.“

Genau darin liegt möglicherweise die wichtigste Konstante in 75 Jahren Wifög-Geschichte. Wirtschaftsförderung ist Beziehungsarbeit. Sie bringt Interessen zusammen, vermittelt, moderiert und schafft Räume für gemeinsame Lösungen. Dass dies in Coburg offenbar besonders gut funktioniert, bescheinigte der Wifög auch Thomas Engel, Regierungsvizepräsident von Oberfranken. Die Zusammenarbeit mit der Stadt und ihrer Wirtschaftsförderung sei „hervorragend“, betont der gebürtige Coburger. Gemeinsam arbeite man unter anderem bei der Fachkräftesicherung, bei Informationsveranstaltungen für Unternehmen und bei der Regionalförderung.

Gemeinsam geht mehr voran

Auch für Eric Rösner, Prokurist der Wifög, ist das Miteinander ein entscheidender Standortfaktor. Coburg verfüge über eine „enorm starke Wirtschaftsstruktur“ mit großen und kleinen Unternehmen, die sich engagierten. Dazu kämen die Hochschule, die Kammern und ein enges Zusammenspiel mit Politik und Verwaltung. Und noch etwas, das sich in Standortanalysen nicht immer leicht in Zahlen fassen lässt: „eine super Lebensqualität“.

Das alles zusammen ergibt ein Bild von Coburg als Wirtschaftsstandort, das über einzelne Unternehmen und Branchen hinausweist. Es ist ein Netzwerk, das immer wieder neu geknüpft werden muss. Die Zukunftsregion Coburg ist dafür ein Beispiel. Stadt und Landkreis, Hochschule, die beiden Wirtschaftsförderungen und die IHK bündeln darin ihre Kräfte. Björn Cukrowski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Coburg, spricht davon, „gemeinsam für die Region noch mehr zu erreichen“. Und er ist überzeugt: „Das funktioniert einfach zum wiederholten Mal hervorragend.“

Wie eng die wirtschaftlichen Strukturen miteinander verbunden sind, zeigt auch der Blick auf das Handwerk. Kreishandwerksmeister Jens Beland bringt es auf eine einfache Formel: „Wenn es der Industrie gut geht, geht es auch dem Handwerk gut.“ Eine leistungsfähige Wirtschaftsförderung und ein gutes Miteinander zwischen Industrie und Handwerk seien deshalb von großer Bedeutung.

Die Wifög sei dabei „ein guter Mittelpunkt, wo man sich trifft“. Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe moderner Wirtschaftsförderung: nicht alles selbst zu machen, sondern dafür zu sorgen, dass die Richtigen zusammenkommen. Dass aus Kontakten Kooperationen entstehen, aus Ideen Projekte und aus Projekten neue Perspektiven. Dass Unternehmen einen Ansprechpartner haben, wenn sie wachsen wollen – und eine Stadt einen Partner, wenn sie sich verändern muss.

Der Ort als Symbol

Die Pakethalle, in der die Wifög ihr Jubiläum feierte, war dafür ein passender Ort. Einst Teil des Güterbahnhofs, heute Veranstaltungsort und damit selbst ein Beispiel für den Wandel einer Stadt. Solche Orte erzählen davon, dass wirtschaftliche Entwicklung nicht bedeutet, alles Alte abzureißen und durch Neues zu ersetzen. Manchmal bedeutet sie, Bestehendes neu zu denken.

Dass hinter all dem Menschen stehen, die oft wenig sichtbar arbeiten, daran erinnerte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig. Wirtschaftsförderung geschehe häufig „im Hintergrund“ und werde von Bürgerinnen und Bürgern deshalb nicht immer als zentraler Akteur wahrgenommen. Dabei sei die geleistete Arbeit „von existenziellem Wert für die Stadtgesellschaft“. Sein Dank galt deshalb ausdrücklich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Wifög.

Weiter so

75 Jahre nach ihrer Gründung steht die Wirtschaftsförderungsgesellschaft damit vor einer Aufgabe, die vielleicht anspruchsvoller ist als je zuvor. Die wirtschaftliche Welt wird komplexer, Fachkräfte werden gebraucht, Unternehmen müssen sich verändern, neue Technologien eröffnen Chancen und stellen zugleich vertraute Geschäftsmodelle infrage. Die Antwort darauf kann kein Einzelner geben.

Aber eine Region kann sich gut aufstellen, kann Netzwerke knüpfen, Kräfte bündeln und den Mut haben, neue Wege auszuprobieren. Oder, wie Jens Beland es beim Jubiläum formulierte: „Ich hoffe auf die nächsten 75 Jahre, mindestens.“ Stephan Horn hat für die Zukunft der Wifög einen noch kürzeren Wunsch: „Weiter so.“ Für eine Gesellschaft, deren eigentliche Stärke im Verbinden liegt, ist das vielleicht gar keine so schlechte Strategie.

Das Team der Wirtschaftsförderung Coburg

  • Stephan Horn, Geschäftsführer
  • Lisa Roth, Projektmanagerin
  • Britta Lohmann, Teamassistenz
  • Diana Schmitt, Wirtschaftsförderin
  • Dominik Winkler, Projektmanager
  • Silvia Krumpe, Projektmitarbeiterin am Güterbahnhof
  • Michael Böhm, Facility Manager Team Güterbahnhof
  • Martina Reuß, Projektmitarbeiterin Güterbahnhof
  • Eric Rösner, Prokurist
  • Rolf Krebs, Projektmanager
  • Kathi Meisch, Projektmitarbeiterin
  • Manuela Hütter, Reinigungskraft

Die Wifög-Chronik

DEZEMBER 1950

Der Coburger Stadtrat beschließt den Erwerb der Padora Fabrik und gleichzeitig, dass als Erwerber die Industrieförderungsgesellschaft der Stadt Coburg mbH, kurz Ifög, auftreten sollte.

FEBRUAR 1960

Der Aufsichtsrat nimmt ohne Einwendungen von dem Plan der Geschäftsführung, ein Kultur-, Kongress- und Ausstellungshaus der Stadt Coburg im Nordteil des städtischen Rosengartens zu errichten, Kenntnis.

JULI 1975

Der Aufsichtsrat stimmt der Beteiligung der Ifög an der Parkhaus Coburg GmbH neben der Wohnungsbau- und Wohnungsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg GmbH zu.

DEZEMBER 1990

Die Ifög soll in Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg mbH (Wifög) umbenannt werden. Vier Jahre später Eintrag ins Handelsregister.

JULI 1993

Die Wifög wird mit Beschluss des Stadtrates beauftragt, ein Technologiezentrum (TZ) in Coburg in der Friedrich-Rückert-Str. 81 zu errichten. Zwei Jahre später findet das Richtfest statt.

MÄRZ 1999

Errichtung eines Zentrums für Produktdesign im ehemaligen Hofbrauhaus Coburg. Die Fläche im Erdgeschoss wird die Wifög mit ca. 600 qm anmieten. Ein Jahr später erfolgt die offizielle Einweihung des Hofbrauhauses Coburg und der Designwerkstatt Coburg.

MÄRZ 2007

Mit dem Spatenstich im März 2007 haben die Bauarbeiten am Gewerbepark auf der Lauterer Höhe begonnen.

SEPTEMBER 2009

Zusammen mit der EsCo-Park GmbH & Co. KG wird ein Mietervertrag für knapp 800 qm Fläche im früheren Escora Gebäude in der Rosenauer Straße unterzeichnet.

AUGUST 2018

Eröffnung der ehemaligen Verwaltervilla am Schlachthof. Ein erster Stein zur Aktivierung und Wiederbelebung im Norden des ehemaligen Güterbahnhof- und Schlachthofareals. Heute mit ehemaligem Schlachthof und Kühlhalle, KI-Zentrum, Pakethalle, Globe, Nebengebäuden.

Mehr unter
www.wifoeg-coburg.de