Stellenangebot Philosoph

von Wolfram Hegen

Die Gegenwart liebt Maschinen. Während die Krisen sich türmen – ökologisch, politisch, sozial – antwortet die Menschheit mit Ideen, die vor allem eines sind: technisch. Mini-AKW, Künstliche Intelligenz, Roboter, Automaten, autonome Autos, E-Bikes, Raumschiffe, Satelliten, 3-D Drucker, Drohnen. Es ist, als hätten wir beschlossen, die Welt mit den Werkzeugen zu reparieren, die sie mit aus den Angeln gehoben haben.

Technik ist nicht der Feind. Sie hat Leben verlängert, Wissen demokratisiert, Komfort geschaffen. Doch sie ist ein Mittel, kein Maßstab. Wenn sie zum alleinigen Denkmodell wird, verengt sich der Blick. Probleme erscheinen dann nur noch als technische Störungen, die sich optimieren lassen. Aber was, wenn die eigentlichen Fragen gar keine technischen sind? Was, wenn es um Maß, Sinn, Gerechtigkeit geht – um Kategorien, die sich nicht programmieren lassen?

Wolfram Eilenberger beschreibt in seinem Buch „Zeit der Zauberer“ die 1920er Jahre, die in dieser Hinsicht vor einem ähnlichen Problem standen und zitiert dazu Martin Heidegger: Heidegger warnte davor, dass die Philosophie überflüssig werde, wenn alle Fragen der Naturwissenschaft überlassen würden. Im besten Fall werde sie zur dienenden Magd der Naturwissenschaften, im schlechtesten Fall sei sie „haltloses Rumgemeine auf falschem, vorurteilsbeladenem Wertefundament“, ein bloßes Instrument der Weltanschauung, deren Tiefe verloren gehe.

Damals bedrohte die Naturwissenschaft die Philosophie, heute ist es die Technik. Weltanschauungsphilosophen nämlich gibt es auch heute genug – Jahr für Jahr erscheinen ihre neuen Bücher auf den Buchmessen –, aber ein großer Wurf, eine Strömung, die das ausbrechende Chaos rechtzeitig neu ordnet und Orientierung schafft, ist nicht zu erkennen.

Auffällig ist dagegen, wie still es geworden ist um die großen gedanklichen Entwürfe. Wo sind die neuen Perspektiven, die unsere Zeit nicht nur beschreiben, sondern deuten? Die Philosophie erschöpft sich in Kommentaren, während die Technik längst handelt. Der Diskurs hinkt der Entwicklung hinterher. Wir können immer mehr, aber wir wissen immer weniger, warum eigentlich.

Der Mensch aber benötigt Halt, ein gedankliches Grundgerüst, eine Basis. Erst der Mensch, dann die Technik, nicht andersherum. Wer nur Maschinen denkt, übersieht, dass Fortschritt ohne Sinn leer ist. Vielleicht liegt die eigentliche Innovation unserer Zeit nicht im nächsten technologischen Durchbruch, sondern in der Rückbesinnung auf das, was Technik nicht leisten kann: Orientierung, Urteilskraft , ethische Einsicht – eine Philosophie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Uns.