
Dieses Mal: Florian „Flo“ Mück. Nach Abitur am Ernestinum in Coburg und BWL Studium war er als Berater und Business Development Manager für eine globale Beratungsfirma tätig, bevor er seit 2009 seine Karriere als Vortragsredner, Rhetoriktrainer und Autor begann. Er ist Gastprofessor an einer renommierten Business-School in Barcelona, hält europaweit Seminare und zählt zahlreiche namhafte internationale Marken zu seinen Kunden.
COBURGER: Bist du ein Macher?
Flo Mück: Als Rhetoriker liebe ich es, die wahre Bedeutung von Worten zu erforschen. Im Urgermanischen finden wir das Wort „makōjaną“. Es bedeutet machen, formen, herstellen. Nach dieser Definition bin ich definitiv ein Macher. Ich liebe es, Dinge zu erschaffen. Sechs Bücher. Über 600 Infografiken. Trainingsformate. Eine persönliche Marke. Ein Rhetorik-Brettspiel. Eine Kommunikations-App. Und wahrscheinlich noch zehn weitere Ideen, die gerade irgendwo in meinem Kopf darauf warten, das Licht der Welt zu erblicken. Ich glaube, jeder Mensch hat zwei Möglichkeiten: konsumieren oder kreieren. Mich hat das Kreieren schon immer glücklicher gemacht.
COBURGER: Warum bist du ein Macher?
Flo Mück: Der Grund, warum ich heute europaweit für Marken von Metro bis Jägermeister, von Microsoft bis Refurbed tätig bin, ist mein finanzieller Untergang im Jahr 2009. Ich endete an der U-Bahn-Station Rosenthaler Platz in Berlin mit 1,27 € in der linken Hosentasche. Warum? Weil ich meinen sicheren Hafen der Unternehmensberatung in Barcelona für die Idee eines europäischen Kulturfestivals in Berlin verlassen hatte. Mit dem finanziellen Armageddon im Rücken musste ich meine Leidenschaft für Rhetorik zum Beruf machen. Das Festival hat nie stattgefunden, aber dafür begann etwas viel Größeres. Ich durfte meine Berufung entdecken. Eine Erkenntnis ist bis heute geblieben: Ich weiß manchmal gar nicht, warum ich Dinge mache. Aber dann mache ich sie trotzdem.
COBURGER: Was macht das Machen aus?
Flo Mück: Einer meiner neuen Lieblingssätze lautet: Charisma kopiert nie. Bei den typischen Vorstellungsrunden in Unternehmen kopieren fast alle den Inhalt oder die Struktur der ersten Person. Langweilig! Und wenn ich das Gleiche mache wie alle anderen? Langweilig! Mein Europa-Projekt „The Festival – One Week, One Europe“ war jenseits von verrückt. Aber es war anders. Originell. Einzigartig. Während eines Frühstücks mit Sarah Connor am Kurfürstendamm in Berlin stellte ich ihr die Idee vor. Plötzlich sagte sie: „Ich mach’ mit!“ Ihrem Manager ist der Löffel aus der Hand gefallen. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz wird das Andersmachen noch wichtiger, weil Kopieren einfacher geworden ist als je zuvor. Originell zu sein wird zur Superkraft.
COBURGER: Wie ging es los mit dem Machen?
Flo Mück: Im BWL-Studium in Bamberg. Mein Freund Dennis aus Hannover und ich saßen gefühlt jeden Tag zusammen und suchten nach der großen Geschäftsidee. Farbloses Bier aus den USA importieren. Autos aus den USA importieren. Und noch einige andere eher unfruchtbare Ideen. Der Höhepunkt war der nie stattgefundene erste Coburger Facility-Management-Workshop. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit Michael Stoschek. Er fragte mich: „Worum geht es beim Facility Management?“ Ich antwortete: „Es geht darum, Kosten zu optimieren.“ Da war das Gespräch beendet. Stoschek sagte nur: „Ich will meine Kosten nicht optimieren.“ Heute verstehe ich, was er meinte. Als Unternehmer willst du Kosten reduzieren, nicht optimieren. Das Komische ist: All diese erfolglosen Initiativen des Machens haben auf meinen Erfahrungsschatz eingezahlt, den ich heute um nichts in der Welt missen möchte.
COBURGER: Von außen betrachtet: Ist die Region Coburg ein guter Ausgangspunkt zum Machen?
Flo Mück: Als gebürtiger Weidacher und Coburger werde ich über unsere Heimat immer positiv reden. Das Samba-Festival? Bombe. Das Schlossplatzfest? Granate. Das Globe. Unsere Sommerfestivals. Internationale Marktführer wie Brose, Kaeser oder die HUK. Für eine Stadt unserer Größe haben wir unglaublich viel zu bieten. Ich lebe seit 2003 in Katalonien. Die Katalanen sind genauso wunderbare Tiefstapler wie die Coburger. Beide reden wenig. Beide machen viel. Vielleicht ist genau das das Geheimnis. Coburg definiert sich nicht über große Worte. Coburg macht.
Die Fragen stellte Wolfram Hegen.

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