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DIE SINDRIAPP DES COBURGERS CEM KAY

Cem Kay entwickelt mit der SindriApp eine digitale Lösung für Handwerksbetriebe – einfach, modular und nah an der Praxis. Dahinter steckt die Geschichte eines Coburgers, der irgendwann beschlossen hat, seine Ideen nicht länger kleinreden zu lassen, sondern sich selbständig zu machen.

Manchmal beginnt der Weg in die Selbstständigkeit mit einem einfachen Gedanken: „Ich habe keinen Bock mehr – ich mach das jetzt selbst.“ Beim heute 34-jährigen gebürtigen Coburger war genau das der Ausgangspunkt: Der Wunsch, selbst zu entscheiden, eigene Ideen umzusetzen und nicht länger das Gefühl zu haben, als Angestellter im Job allzu oft ausgebremst zu werden. Er kündigte und kontaktierte seinen ersten potenziellen Kunden – zunächst mit der Hoffnung, vielleicht irgendwann weiterempfohlen zu werden. Stattdessen bekam er direkt einen Auftrag für eine Website. Viel Erfahrung hatte er nicht, doch er arbeitete sich hinein, lieferte ab und bekam schließlich die Nachricht: Alles super, das Geld sei überwiesen.

Es war ein kleiner Moment mit großer Wirkung. „Das war so ein Kick“, erinnert sich Cem. Zum ersten Mal erlebte er unmittelbar, was Selbstständigkeit für ihn bedeutete: „Ich habe es selbst in der Hand.“ Aus dem ersten Auftrag wurden weitere Websites, später individuelle Softwarelösungen. Programmierung und Design verbanden sich dabei zunehmend. Vieles entstand nach dem Prinzip „Learning by doing“ – von Projekt zu Projekt, von Herausforderung zu Herausforderung.

Doch während sich die Möglichkeiten durch KI und neue Technologien veränderten, wurde für Cem auch klar, dass er langfristig nicht nur Dienstleistungen anbieten wollte. Die Idee für ein eigenes digitales Produkt hatte er schon länger im Kopf. Den entscheidenden Anstoß lieferten jedoch seine Kunden. Bei Handwerksbetrieben erlebte er immer wieder, wie viel Zeit in Dokumentation, Nachbearbeitung und Verwaltung verloren ging. Informationen lagen in WhatsApp-Gruppen, auf Zetteln oder mussten mühsam nachträglich zusammengetragen werden. Ein Unternehmer sagte ihm sogar, er fühle sich inzwischen wie der „Sekretär seines eigenen Betriebs“.

Aus diesen Erfahrungen entstand die SindriApp. Sie soll Handwerksbetrieben helfen, ihre Abläufe digital zu dokumentieren, ohne sie dabei aber mit einer überladenen Software zu konfrontieren, die tage- oder wochenlange Einarbeitung erfordert und hohe Kosten verursachen kann. Das Prinzip ist einfach: „Nicht die Betriebe passen sich an die Software an, sondern die Software passt sich an die Betriebe an.“ Die Anwendung ist modular aufgebaut. Ein Elektriker kann beispielsweise nur Zeiterfassung und Regieberichte nutzen, andere Betriebe wählen zusätzliche Funktionen. „Nur das Nötigste“, beschreibt Cem das Konzept.

Die Anwendung ist für die mobile Nutzung ausgelegt und soll intuitiv funktionieren. Ein weiteres wichtiges Element ist die KI-Übersetzung: Mitarbeiter oder Subunternehmer können ihre Leistungen beispielsweise auf Polnisch dokumentieren, der deutsche Betrieb lässt die Angaben anschließend mit wenigen Klicks übersetzen. Dokumente können als PDF exportiert und digital unterschrieben werden. So soll aus vielen kleinen Verwaltungsaufgaben ein übersichtlicher digitaler Prozess werden.

Seit April ist die SindriApp bei vier Betrieben aus vier Gewerken täglich im Einsatz und spart ihnen im Schnitt rund anderthalb Stunden Verwaltung pro Woche. Genau dafür ist die Pilotphase da: Was von der Baustelle zurückkommt, fließt direkt in die App. Im vierten Quartal 2026 soll der offizielle Start mit den ersten zahlenden Kunden erfolgen. Auch beim Geschäftsmodell wird noch an den Details gearbeitet. Denkbar sind verschiedene Abo-Modelle ebenso wie nutzerorientierte Lösungen. Für Cem ist dabei eines wichtig: „Ein Betrieb soll bleiben, weil die App ihm den Feierabend zurückgibt – nicht, weil ihn ein Vertrag hält.“ Die Einführung der SindriApp ist über den Digitalbonus Bayern förderfähig. Bis zu 50 Prozent der einmaligen Einrichtungskosten kann der Freistaat übernehmen – für kleine Betriebe sinkt die Einstiegshürde damit deutlich.

Unterstützung bekommt er auch aus seiner Heimat. Anfang des Jahres meldete er seine Geschäftsadresse in Coburg an und nutzt das regionale Gründernetzwerk, Mentoring und Kontakte. Bei „Pitch & Beer“ in Rödental konnte er seine Idee erstmals vor einem größeren Publikum präsentieren. Eine wichtige Erfahrung, denn seine technische Lösung musste dort in wenigen Minuten auch für Menschen verständlich werden, die selbst keine Handwerker sind.

Sein Ziel ist ambitioniert. Zunächst möchte Cem zwischen Coburg und München, wo er seit vielen Jahren seinen privaten Lebensmittelpunkt hat, stark vertreten sein, langfristig denkt er größer: „Ich peile schon so 10.000 Betriebe an.“ Dafür soll der Vertrieb zunehmend digital und automatisiert funktionieren.

Und was rät er jungen Menschen, die selbst eine Idee haben, aber noch zögern? „Man sollte immer ein bisschen mehr auf die eigene Stimme hören als auf die Kritik von außen.“ Entscheidend sei aber auch, etwas zu tun, von dem man selbst überzeugt ist. Denn manchmal braucht es offenbar nicht den perfekten Moment – sondern nur den Mut, einfach anzufangen.