Der Monaco Franke #77

Monaco: Wandel

Man hört ja dieser Tage überall: „Die Welt ist im Wandel“. „Ja, und?“, fragt da der Monaco. Früher war die Welt auch schon im Wandel, aber das hieß dann „Industrialisierung“, „Globalisierung“ oder „Digitalisierung“. Ersteres klingt noch nach staubig-muffigem Geschichtsunterricht. Die neuesten Meldungen hören sich eher nach Science Fiction an. Führende KI-Experten warnen, dass die Künstliche Intelligenz die Menschheit in zehn Jahren auslöschen könnte. Wos? Des glabb iech ned! Oder maanst, die KI findet mich in mei’m Wirtshaus?

Bei solchen Meldungen muss sich der Monaco erstmal hinsetzen und nachdenken. Zehn Jahre. Früher hat man in zehn Jahren das Gymnasium mit einer Ehrenrunde absolviert, ein Haus gebaut, den Glubb einmal aufsteigen und wieder absteigen sehen und Markus Söder hat in dieser Zeit dreimal seine Meinung geändert. Der frühere Bäume-Umarmer, der einst von Bayern als „Klimaschutzvorreiter“ sprach, zehn Jahre später aber den Verbrenner propagiert, als hätte der irgendeine Zukunft (klaaner Spoiler: Hat er ned!) und der plötzlich wieder über die Wiederbelebung von längst abgeschalteten Kernkraftwerken schwadroniert, obwohl er nach Fukushima noch auf einen schnellen Atomausstieg drängte.

Heute soll nun in derselben Zeit ein Computer die Weltherrschaft übernehmen. Wobei man sich ja fragt: Ausgerechnet Computer? Dieselben Geräte, die einen regelmäßig auffordern, drei Zebrastreifen anzuklicken, um zu beweisen, dass man kein Roboter ist? Die Welt soll ernsthaft von einer Intelligenz übernommen werden, die den Drucker immer noch nicht mit dem WLAN verbinden kann, ohne dass der Mensch, der etwas ausdrucken möchte, komplett durchdreht und die Nerven verliert? Amoll im Ernst: Do fällt’s fei schwer, in Baanigg zu verfallen!

Andererseits sollte man die Entwicklung nicht unterschätzen. Die KI schreibt inzwischen Gedichte, komponiert Musik, malt Bilder, manipuliert Fotos und schreibt innerhalb weniger Sekunden Seminar- und – wer weiß – vielleicht auch schon ganze Doktorarbeiten. Schüler und Studenten nutzen sie zur Prüfungsvorbereitung. Ob das was taugt, was dabei rauskommt? Noch bleibt da ein kleines Risiko, aber die Rechner und KI-Agenten werden jeden Tag schlauer.

Um das herauszufinden, wäre in Franken vermutlich der ultimative Test, ob die KI auch einen ordentlichen Erpflsalood machen kann. Wobei die Gefahr weniger von der künstlichen Intelligenz ausgeht als von der Diskussion darüber, ob da aa Schbägg neig’hört und ob er mit Essig oder Mayonnaise ang‘macht wird.

Und während weltweit über die Zukunft der Menschheit diskutiert wird, fragt man sich zwischen Coburg und Lichtenfels: „Wo kummd des etad so plötzlich eigentlich her?“ Der Franke begegnet technologischen Revolutionen traditionell mit einer gesunden Mischung aus Skepsis, Neugier und der ewigen Frage, wozu das alles nütze sein soll. Als das Internet kam, fragte er: „Und für des brauch ich jetzad a Modem?“ Als das Smartphone kam: „I hob doch a Telefon.“ Und als die KI kam: „Ja, und woaß die aa, wie ma an Kren richtig reibt?“

Dabei könnte ausgerechnet Franken die Zukunft ganz entspannt sehen. Die Künstliche Intelligenz wird vermutlich Milliarden Dokumente auswerten können, Quantencomputer steuern und selbständig wissenschaftliche Probleme lösen. Aber sobald sie versucht, zwischen Bayern, Franken und Altbayern zu vermitteln, dürfte selbst ihr Rechenzentrum überhitzen. Man stelle sich nur vor, ein Sprachmodell wird gefragt, ob Franken zu Bayern gehört. Hier der Dialog:

KI: „Historisch betrachtet schon mal nicht.“
Der Franke: „Ehm. Und emotional?”
Serverabsturz.

Vielleicht ist das überhaupt die Rettung der Menschheit. Die Maschinen werden eines Tages alles wissen. Sie werden alle Bücher gelesen, alle Daten analysiert und jede Information der Welt verarbeitet haben. Und dann sitzen sie irgendwann an einem Stammtisch in Scheßlitz oder Bischberg und hören zwei ältere Herren darüber diskutieren, wo es das beste Schäuferla gibt. Nach fünf Minuten melden die Systeme Überlastung. Nach zehn Minuten beantragt die Superintelligenz Essenspause. Weitere fünf Minuten später: Selbstabschaltung. Finito!

Die Welt ist also tatsächlich im Wandel. Vielleicht schneller als jemals zuvor. Aber der Monaco ahnt: Solange sich Menschen über Fußball, Dialekte, Bierpreise und die Frage streiten, wo Bayern aufhört und Franken anfängt, wird die Herrschaft der Maschinen noch ein wenig warten müssen. Denn gegen künstliche Intelligenz mag die Menschheit machtlos sein. Gegen natürliche Sturheit hingegen ist bislang noch keine Technologie erfunden worden. Und des, denkt sich der Monaco, ist doch irgendwie beruhigend.

Schätzla, schau wie iech schau!