
Es gibt Städte, die entdeckt man einmal. Und es gibt Städte, zu denen man immer wieder zurückkehren möchte. Prag gehört sicher zur zweiten Kategorie. Die tschechische Hauptstadt ist geschichtsträchtig und voller berühmter Sehenswürdigkeiten – und doch sind es oft die kleinen Geschichten, versteckten Gassen und überraschenden Begegnungen, die einen Besuch unvergesslich machen.
Wer aus Bamberg kommt, dürfte sich dabei erstaunlich schnell zurechtfinden. Denn so unterschiedlich die Dimensionen auch sind: Beide Städte verbindet eine große Liebe zur Geschichte, zur Architektur und zum Leben in der Altstadt. Beide gehören zum UNESCO-Welterbe, beide sind von Türmen und historischen Bauwerken geprägt, beide liegen am Wasser – und beide haben es verstanden, ihr historisches Gesicht zu bewahren, ohne dabei stehen zu bleiben.

Besonders eng ist die Verbindung durch die Städtepartnerschaft zwischen Bamberg und Prag 1. Seit Jahrzehnten pflegen die beiden historischen Stadtzentren einen lebendigen Austausch. Was auf dem Papier nach einer offiziellen Partnerschaft klingt, wird bei näherem Hinsehen zu einer schönen Einladung: einmal die vertraute Bamberger Altstadt gegen die nicht minder faszinierende Kulisse Prags einzutauschen.
Denn Prag ist näher, als man denkt. Ein Kurztrip genügt, um über die Karlsbrücke zu schlendern, durch die Altstadt zu streifen, den Blick von der Prager Burg über die Moldau schweifen zu lassen – und dabei vielleicht festzustellen, dass einem manches erstaunlich vertraut vorkommt. Nur eben größer, böhmischer und mit einer ordentlichen Portion Großstadtflair.
Also: Warum nicht einmal wieder losfahren? Gut vier Stunden mit dem Auto ist es von Bamberg nach Prag ein Weg zu Freunden – und zu einer Stadt, die für ein Wochenende ebenso viel zu erzählen hat wie für einen ganzen Urlaub.
Hinüber über die Moldau
Die Karlsbrücke ist eines der schönsten und meistfotografierten Wahrzeichen der Welt und wird von dreißig Heiligen-Statuen und Statuengruppen bewacht. Sie stellen große Persönlichkeiten der europäischen und der Weltgeschichte dar, von denen jede die Welt in irgendeiner Weise bewegt und zum Besseren verändert hat. Die spirituelle Wirkung der Heiligen macht die Karlsbrücke zu einem mystischen Ort, ja sogar zu einem Tempel unter freiem Himmel, der von den Brückentürmen eingegrenzt wird. Tagsüber erinnert die Menschendichte auf diesem historischen Schmuckstück etwas an die Sandkerwa.

Die Magie der Karlsbrücke kommt besonders nachts zur Geltung, wenn das Licht der Gaslaternen neue Ereignisse und Beziehungen in den Stein modelliert. Dann ist sie den Prager Legenden nahe, in denen sich übernatürliche Dinge ereigneten, Statuen ihre Sockel verließen und den Menschen zu Hilfe eilten.
Die älteste Prager Brücke entstand an der Stelle der Judith-Brücke, die 1342 durch ein Hochwasser zerstört worden ist. Die Steinbrücke oder Pragerbrücke, die seit dem Jahre 1870 Karlsbrücke genannt wird, wurde 1357 von Karl IV. gegründet und 1402 fertiggestellt. Die Brücke ist aus Sandsteinquadraten erbaut und auf beiden Seiten mit Türmen befestigt – dem Kleinseitner Brückenturm und dem schon erwähnten Altstädter Brückenturm.

Hinauf auf den Turm
Bei einem Altstadtbummel sollte man auf jeden Fall den Altstädter Brückenturm besuchen – eines der beeindruckendsten gotischen Bauwerke der Welt. Den Turm ließ Kaiser Karl IV. in der Mitte des 14. Jahrhunderts zusammen mit der Karlsbrücke erbauen. Das Tor zur Altstadt wurde gleichzeitig als symbolischer Siegesbogen entworfen, durch den die böhmischen Könige auf ihrem Krönungsweg zogen.
Vor einem der schönsten Ausblicke auf die goldene Stadt steht etwas Sport. So müssen die Besucher 138 Stufen zur Galerie hinaufsteigen. Die Säule, um die sich die Wendeltreppe dreht, ist oben mit einer Turmwachmannstatue aus den 50er Jahren des 15. Jahrhunderts abgeschlossen. In der ersten Etage war offenbar eine Wachstube, von hier wurde das Eisengitter herabgelassen, durch das das Tor geschlossen wurde. Im zweiten Geschoss, das als Gefängnis der Schuldner von besseren Familien diente, ist seit 1880 eine neugotische Decke, ausgeführt nach dem Entwurf des Architekten Johan Schöbl. Der Turm ist etwa 47 Meter hoch, die Höhe des Dachs mit dem Umgang beträgt ca. 18 Meter.
Makabere Randnotiz: Im Oberteil des Turms in Richtung zur Brücke wurden im Jahre 1621 zur Warnung 12 Köpfe einiger am Altstädter Ring enthaupteten Führer des Standesaufstands ausgestellt. Die Köpfe hingen hier über zehn Jahre, eines Nachts wurden sie dann heimlich heruntergenommen und an einem bis heute unbekannten Ort beerdigt.

Hinunterblicken von der Burg
Alten Legenden nach ist Vyšehrad der älteste Sitz der tschechischen Fürsten, in Wirklichkeit entstand die hiesige Burgstätte ungefähr in der Hälfte des 10. Jahrhunderts. Vom felsigen Vorsprung oberhalb der Moldau bietet die Burg einen einzigartigen Ausblick auf Prag.
Die Parkanlage versteckt architektonische Schätze, wie die wertvolle romanische Rotunde des Hl. Martin aus dem 11. Jahrhundert, die neugotische Kirche St. Peter und Paul, die nationale Begräbnisstätte Slavín und die unterirdischen Kasematten mit Originalen einiger Barockstatuen der Karlsbrücke. Die Rotunde des Heiligen Martin ist die größte erhaltene Rotunde auf Prager Gebiet. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts errichtet. Mehrmals in ihrer langen Geschichte entkam sie der Zerstörung, während des Dreißigjährigen Kriegs wurde sie als Lager für Schießpulver verwendet. Eine Kanonenkugel, die in die Wand rechts vom Fenster bis zur Vorderfront eindrang, erinnert angeblich an das Wüten des preußischen Heeres im Jahre 1757.

Der anschließende Park dient Touristen und Einheimischen als Ruheoase. Ein Platz für wunderbare Spaziergänge und zum tiefen Durchschnaufen. Er bietet nicht nur romantische Ecken und schöne Ausblicke auf die Moldau und den Hradschin an. Der Park gibt einen Einblick in die ferne und unmittelbare Vergangenheit, er bietet eine pietätvolle Erinnerung an tschechische Persönlichkeiten und hält auch einen Kinderspielplatz und einige Kaffeehäuser und Restaurants bereit.
Den Park schmücken einige Statuen, zum Beispiel eine Statue des Hl. Wenzel, die ursprünglich den Brunnen am Wenzelsplatz zierte. Aus längst vergangenen Zeiten stammen zudem die sogenannten Teufelssäulen – drei steinerne, vermutlich die Zeit messende Säulen der alten Slawen aus heidnischen Zeiten.
Hinein in eine Welt voller Bücher
Albert Einstein lehrte hier und Wolfgang Amadeus Mozart spielte hier mehrmals. Das Klementinum ist nach der Prager Burg der zweitgrößte Gebäudekomplex in Prag und beherbergt die schönste Bibliothek der Welt. Sagen zumindest die Prager. Und tatsächlich ist dieser Raum des Wissens ein absoluter Pflichtbesuch.

Unter den siebenundzwanzigtausend alten Drucken befinden sich zum Beispiel die Schriften Keplers mit seiner handschriftlichen Widmung an seine Freunde, den Dekan und andere Professoren der Universität Prag. Die Jesuiten gründeten das Klementinum 1556 und benannten es nach dem ehemaligen Dominikanerkloster St. Clemens von 1227, in dem sie sich niederließen.
Im Jahr 1775 begannen sie, hier regelmäßig meteorologische Daten zu messen, und so hat Prag die längste ununterbrochene Reihe meteorologischer Beobachtungen in Europa. Eine einzigartige Besichtigungsroute durch einen Teil des ehemaligen Jesuitenkollegs Klementinum führt die Gäste zum astronomischen Turm und dem Anbau, der ihn mit dem Nordflügel des Klementinum-Komplexes verbindet. Dort blickt man in die unbeschreibliche Barockbibliothek.
Die nächste Station des Rundgangs ist der Meridiansaal mit historischen astronomischen Instrumenten im 2. Stock des astronomischen Turms. Seit dreihundert Jahren blickt der Riese Atlas von seiner Spitze herab, der das Himmelsgewölbe voller Sterne auf seinen Schultern trägt. Diese fehlten im Klementinum nie – weder in den Sternenatlanten noch in seinen Sälen, durch die W. A. Mozart selbst schritt und in denen er sogar musizierte. Der Höhepunkt der Besichtigung ist der Aufstieg zur Galerie der längsten kontinuierlich messenden meteorologischen Station in Böhmen.
Und hier noch ein kleiner persönlicher Tipp zur Vorweihnachtszeit:
Prag im Advent erleben, die langjährige Freundschaft zwischen Bamberg und Prag entdecken und dabei Politik, Kultur und weihnachtliche Traditionen verbinden: Die Bürgerreise der Stadt Bamberg vom 26. bis 29. November 2026 lädt dazu ein, die tschechische Hauptstadt aus ganz besonderen Perspektiven kennenzulernen.
Begleitet wird die Reise unter anderem von Oberbürgermeister Sebastian M. Niedermaier und Jitka Feitova, Vorsitzende des Deutsch-Tschechischen Clubs in Bamberg. Weitere Informationen von Brigitte Riegelbauer, Stadt Bamberg, Telefon: 0951 871010.
Nur ein paar Tipps aus nahezu unzählig vielen Möglichkeiten für Ihre persönliche Entdeckungsreise nach Prag. Informationen gibt es ausführlich im Netz, in gedruckten Reiseführern bei Ihrem regionalen Buchhändler, oder fragen Sie uns.

Neueste Kommentare