Geheime Ecken: Coburger Rathausdach

Der Dachboden des Coburger Rathauses erzählt auf eindrucksvolle Weise die Geschichte des Gebäudes selbst. Der heutige Dachstuhl entstand zwischen 1750 und 1752 im Zuge eines Umbaus des Rathauses, dessen Ursprünge jedoch deutlich weiter zurückreichen. Bereits um das Jahr 1400 wurde in Coburg ein neuer Marktplatz angelegt. In diesem Zusammenhang entschied sich die Stadt, an zentraler Stelle ein neues Rathaus zu errichten, das schließlich 1414 eingeweiht wurde. Mit dem Wachstum der Stadt wurde das mittelalterliche Rathaus jedoch bald zu klein. Deshalb entstand zwischen 1577 und 1579 an der Ketschengasse ein Erweiterungsbau. Noch heute lässt sich diese Baugeschichte im Dachboden ablesen.03

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Der Giebel

Der ehemalige Giebel des ursprünglichen Rathauses von 1414 ist dort bis heute erhalten. Besonders auff ällig sind die zugemauerten Fensteröffnungen, von denen eine später zu einem Durchgang umfunktioniert wurde. Auch die vielen Ebenen des Dachbodens zeigen deutlich, dass dieser Bereich über lange Zeit als Lagerraum genutzt wurde. Der Grund dafür lag unmittelbar hinter dem Rathaus. Dort befand sich einst der Zollhof der Stadt. Kaufl eute, die nach Coburg kamen, mussten hier ihre Abgaben entrichten – häufi g in Form von Waren. Diese mussten gelagert werden, weshalb der Dachboden mit einem Warenaufzug ausgestattet wurde. Auch Anfang des 20. Jahrhunderts spielte der Dachboden noch eine wichtige Rolle. Nachdem die städtischen Sammlungen Coburg 1905 im Rathaus ein eigenes Museum erhalten hatten, nutzte man den Dachboden als Lagerstätte für die Bestände. Bis vor wenigen Jahren stand hier sogar noch ein historischer Webstuhl aus dem Besitz der städtischen Sammlungen. Heute wird der Dachboden kaum noch genutzt; lediglich Teile der Lüftungsanlage befinden sich dort noch.

Der Lastenkran

Besonders bemerkenswert ist der erhaltene Lastenkran, der ein eindrucksvolles Stück Coburger Baugeschichte darstellt. Schon in früheren Jahrhunderten stellte sich die Frage, wie schwere Materialien – vor allem Holz für den Dachstuhl – in große Höhen transportiert werden konnten. Man nutzte einfache, aber wirkungsvolle Hebekonstruktionen wie einen Lastenkran. Der Transport erfolgte vollständig von Hand: Über einen Hebel mussten Menschen im Kreis laufen, um die schweren Lasten nach oben zu bewegen. Der Dachboden des Coburger Rathauses ist damit weit mehr als nur ein ungenutzter Speicherraum. Er dokumentiert eindrucksvoll Geschichte und Baukunst vergangener Jahrhunderte.

 

Informationen von Christian Boseckert,
Coburger Stadtheimatpfleger