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Der IF-Design-Award für Architektur geht 2026 an das Archiv der Zukunft in Lichtenfels. Eine Industrie-Designerin und ein Architekt erzählen, was dieses Gebäude für sie so attraktiv macht.
„Unsere Bühne ist lokal. Unsere Reichweite ist international. Das Archiv der Zukunft fördert den Dialog zwischen allen, die neugierig und bereit sind, sich mit Experten, Denkern und Machern auszutauschen“, schreibt der Beirat des Archivs der Zukunft in seiner Bewerbung. Eine internationale Jury hat den Bau von Peter Haimerl auf dem Lichtenfelser Marktplatz jetzt mit dem IF-Design- Award für Architektur ausgezeichnet.
„Wie die Geschichte immer weiter geht, so gehen auch die Äste und Wurzeln der beiden Bäume im Inneren des Gebäudes weiter“, sagt Karen Korellis-Reuther. Die Industriedesignerin ist eine Art Patin des Gebäudes für den Wettbewerb: „Ich bin in meiner Fachrichtung in der Jury – damit durfte ich für andere Kategorien zwei Produkte oder Objekte vorschlagen“, erzählt sie aus ihrem Büro in Boston. „Das Gebäude hat wirklich zu mir gesprochen, als ich es 2024 zum ersten Mal fertig sah.“ Ihre zweite Heimat ist Michelau, dort besucht sie regelmäßig ihre Familie. „Das Archiv der Zukunft ist spektakulär und radikal“, sagt Paul Eis. Der Berliner studierte in Linz Architektur und stellte 2025 im Archiv der Zukunft seine Gedanken zur städtebaulichen Entwicklung von Wohngebieten mit Einfamilienhäusern vor.

Als Beispiel wählte er Lichtenfels, überall ist das Thema kontrovers. „Ich wollte mit dem Vortrag zurück an den Modellort. Hier habe ich viel Offenheit und Interesse gespürt. Da wehte wirklich ein visionärer Geist“, erinnert er sich an seinen ersten Besuch in Lichtenfels und im Archiv der Zukunft. Für Karen Korellis-Reuther haben die goldenen Weiden mit dem Glashaus etwas ganz Besonderes: „Es ist egal, ob ich aus der Entfernung sehe, wie sich das Archiv der Zukunft in den Marktplatz einfügt – oder ob ich ganz nah hingehe und mir Details ansehe. Das Gebäude ist beeindruckend. Es erzählt eine Geschichte und schreibt selbst Geschichte.“
Die Jury des IF-Designs prämierte Gebäude ebenso wie einen botanischen Garten in Korea, wie das Verbands-Gebäude aus Holz von 60 Sake-Brauereien in Japan, einen kreativen Industriepark auf dem Gelände einer verlassenen Brauerei in China, eine Berghütte in der Schweiz oder eben das Archiv der Zukunft in Lichtenfels. Rund 11.000 Bewerbungen, eine Jury mit 100 Experten aus der ganzen Welt, 93 Kategorien von Getränkeverpackungen bis zu Anwender-Software, geordnet in neun Disziplinen – eine davon ist die Architektur. Die fünf maßgeblichen Kriterien dabei sind die Idee oder Vision hinter dem Gebäude. „Die kraftvolle Geschichte der Korbmacherei in so einem Gebäude wieder aufzugreifen ist wegweisend“, findet Korellis-Reuther.

Dann geht es um die Form. „Das Archiv der Zukunft bricht mit allen ungeschriebenen Regeln. Es macht total Mut, dass sich Architekten und Bauherren so etwas trauen. Diese wahnsinnige Silhouette löst schon etwas in den Leuten aus“, findet Eis. Dann beurteilt die Jury noch Funktion, Unterscheidung und den Eindruck, den es hinterlässt. „Dabei geht es sowohl um das Material als auch um den Eindruck auf die Gesellschaft“, erklärt Korellis-Reuther: „Die Bäume haben mit ihrer Oberfläche bei jedem Licht, bei jedem Wetter, in jeder Jahreszeit eigene Reflexionen.“
„Vielleicht gehen die Menschen davon aus, dass wir Architekten aus der Uni kommen und dann eine Art Realitätsschock erleben. Es ist eher umgekehrt.“ Heute seien von den Studierenden Entwürfe gefragt, die sehr gewöhnlich seien und Grundlagen vermitteln sollten, so Eis. „Das Archiv der Zukunft geht weit darüber hinaus. Es ist für mich als Architekt spektakulär. Das Original ist besser und beeindruckender als jedes Rendering“, sagt Architekt Eis.

„Das Archiv der Zukunft Lichtenfels ist ein Ort der Möglichkeiten. Wir sammeln wertvolle Ideen für die Zukunft und diskutieren transformative Innovationen. Unser Ziel ist es, durch die Verbreitung von Impulsen für positive Veränderungen zu inspirieren“, schreibt der Beirat in seiner Bewerbung. Für Korellis-Reuther hat das Gebäude viele Impulse und Stärken. Für sie ist vielleicht das das Wichtigste: „Das Archiv der Zukunft zeigt uns auch die Bedeutung der Natur für uns Menschen. Diese Verbindung ist für mich extrem wichtig. Nur so können wir in einer Balance leben.“
„Für mich ist das Gebäude total ermutigend. Man kann so etwas Verrücktes wirklich umsetzen. Mich inspiriert es, selbst kreativer zu sein und einfach mal ein paar Konventionen zu brechen“, sagt Paul Eis.


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