
Reisen allein, zu zweit, als Familie mit Kindern, die schon aus dem Gröbsten raus sind, oder mit Freunden. Regionen in Europa, die mit dem Auto, der Bahn, dem Bus oder dem Flugzeug in wenigen Stunden erreichbar sind. Ziele für Menschen, die etwas sehen und erleben wollen, die sich für Kultur, Land und Leute interessieren, für Natur, Berge, Seen, Flüsse und Meer. Gerne verbunden mit Bewegung an der frischen Luft und manchmal auch mit einem kleinen, kalkulierten Abenteuer. Das sind unsere COBURGER Kultouren. In jedem Magazin eine. Mit vielen Bildern, die Lust aufs Fortfahren machen, und mit einigen persönlichen Eindrücken für alle, die dieser Lust erliegen. Unser Tipp: Gehen Sie selbst auf Entdeckungsreise.
Essen
Manchmal sind es gerade die Gegenden, die man lange unterschätzt hat, die einen am meisten überraschen. Wer früher an Reise- oder Kulturtipps dachte, hatte vermutlich nicht sofort das Ruhrgebiet im Kopf. Eigentlich zu Unrecht und heute erst recht. Denn dort, wo einst Fördertürme rauchten, Hochöfen glühten und Kohle das Leben bestimmte, ist in den vergangenen Jahren eine der spannendsten Kulturlandschaften Deutschlands entstanden. Alte Zechen sind längst mehr als nur Industriegeschichte. Sie bilden heute die eindrucksvolle Kulisse für Museen, Konzerte, Parks, Architektur und außergewöhnliche Orte, die man so kein zweites Mal findet. Also machen wir uns dieses Mal aus Coburg auf den Weg nach Essen, mitten hinein ins Herz des Ruhrgebiets. Am entspanntesten gelingt das tatsächlich mit dem Zug. In etwas mehr als fünf Stunden erreicht man bequem die ehemalige Kohlemetropole, ganz ohne Stau, Parkplatzsuche oder Großstadtverkehr. Für den Autor selbst ist es auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. Seine Mutter stammt aus Essen, er selbst war als Kind oft bei seiner Oma zu Besuch, hat in den 1970er-Jahren im Grugabad geplanscht und auf der Liegewiese aus einem kleinen gelben Radio „I’m Not in Love“ von 10cc gehört. Ein Song, der viele Jahre lang sein Lieblingslied blieb.
Auferstanden aus Ruinen
Es gibt Orte, die man besucht, fotografiert und irgendwann wieder vergisst. Und es gibt Orte wie die Zeche Zollverein. Dort steht man plötzlich zwischen gewaltigen Stahlträgern, rostfarbenen Fassaden und meterhohen Fördergerüsten und spürt sofort, dass dieser Ort mehr ist als ein ehemaliges Industriegelände.
Zollverein erzählt vom Ruhrgebiet, von harter Arbeit, von Kohle und Hitze, aber auch davon, wie eindrucksvoll sich eine Region neu erfinden kann. Früher galt die Zeche als die schönste Steinkohlenzeche der Welt. Seit inzwischen 25 Jahren gehört sie zum UNESCO-Welterbe. Dieses Jubiläum wird mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert.

Was einst ein Symbol der Industrie war, ist heute ein riesiges Kultur- und Erlebnisareal. Genau das macht den Reiz aus. Zwischen alten Rohrleitungen, Backsteingebäuden und monumentalen Maschinen entstehen heute Kunst, Kultur, Design und Begegnung.
Zollverein beherbergt Museen, Ausstellungen und Restaurants bis hin zu einem eigenen kleinen Schwimmbad. Besonders sehenswert ist das Ruhr Museum, das die Geschichte und Entwicklung des gesamten Ruhrgebiets eindrucksvoll erzählt. Ebenso spannend ist das Red Dot Design Museum, das modernes Produktdesign mitten in die alte Industriekulisse setzt. Ein Kontrast, der erstaunlich gut funktioniert.
Zollverein lebt von dieser Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart. Man sitzt mit einem Kaffee zwischen ehemaligen Industrieanlagen, fährt mit dem Rad über frühere Werkstraßen oder erlebt ein Konzert dort, wo einst Kohle verladen wurde. Wer Essen besucht, kommt an diesem Ort eigentlich nicht vorbei.

Auffahrt auf den grünen Hügel
Zwischen Wasser, Wald und Industriegeschichte liegt in Essen einer der eindrucksvollsten Ausflugsorte des Ruhrgebiets: der Baldeneysee. Hoch darüber thront ein Ort, der fast wie ein Gegenpol zur Leichtigkeit des Sees wirkt: die Villa Hügel.
Gemeinsam erzählen sie eine Geschichte von Wandel, Reichtum, Arbeit und neuer Lebensqualität im Ruhrgebiet. Der See ist heute ein beliebtes Naherholungsgebiet, das sich wunderbar zu Fuß oder mit dem Rad erkunden lässt. Wassersportler tummeln sich auf dem Wasser, es gibt eine Badestelle und zahlreiche Restaurants laden zum Verweilen ein.

Die Villa Hügel war der ehemalige Wohnsitz der Familie Krupp und ist mit ihren fast 400 Räumen ein Symbol deutscher Industriegeschichte. Doch so monumental das Gebäude auch ist, der eigentliche Reiz liegt im Zusammenspiel mit der Landschaft.
Die Villa steht eingebettet in einen weitläufigen Park, der sich bis hinunter zum See zieht. Alte Baumriesen, verschlungene Wege und immer wieder überraschende Ausblicke auf das Wasser machen den Spaziergang zu einem eigenen kleinen Ausflug. Besonders an klaren Tagen eröffnet sich von hier oben ein Panorama über den gesamten Süden Essens.
Aufgeschlossen für alle
Kunst galt lange Zeit als etwas für gebildete Kreise, für Menschen mit Geld, Zeit und gesellschaftlichem Zugang. Genau gegen diese Vorstellung entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in Essen eine bemerkenswerte Idee: Kunst sollte allen gehören. Aus diesem Gedanken entwickelte sich das Museum Folkwang. Vielleicht ist genau das bis heute das Besondere dieses Hauses. Während viele große Museen inzwischen hohe Eintrittspreise verlangen, bleibt die ständige Sammlung des Folkwang auch heute noch kostenlos zugänglich.

Das ist eine Ausnahme in Deutschland und weit mehr als nur ein Service. Es ist ein kulturelles Statement, das den ursprünglichen Gedanken des Museums bis heute lebendig hält. Kunst soll keine exklusive Angelegenheit sein, sondern ein offener Raum für alle. Die Architektur unterstützt diesen Eindruck perfekt. Helle Räume, viel Glas, klare Linien und eine angenehme Ruhe schaffen Platz für die eigentlichen Hauptdarsteller: die Werke selbst. Man begegnet hier Monet, van Gogh, Renoir, Cézanne, Picasso und Caspar David Friedrich. Hinzu kommt eine spannende Mischung aus klassischer Moderne, zeitgenössischer Kunst und Fotografie. Gerade das macht einen Besuch so angenehm. Man muss kein Kunstexperte sein, um sich treiben zu lassen und immer wieder Neues zu entdecken. Vielleicht passt dieses Museum deshalb so gut nach Essen und ins Ruhrgebiet. Denn auch hier ging und geht es darum, Kultur nicht als Luxus weniger zu verstehen, sondern als etwas, das mitten ins Leben gehört.
Ein persönlicher Tipp
Mieten Sie über eine der Leih-Apps ein Fahrrad und radeln Sie quer durch die Stadt bis zur Margarethenhöhe. Stellen Sie das Rad ab und schauen Sie sich in Ruhe um. Die historische Gartenstadt mit ihren von viel Grün umgebenen Häusern gehört zu den charmantesten Orten Essens. So möchte man wohnen.
Aufatmen im Park
Hinter dem Namen Grugapark Essen steckt eine Geschichte, die viel mit der Entwicklung des Ruhrgebiets zu tun hat. „Gruga“ steht ursprünglich für „Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung“.
Diese Gartenbauausstellung fand erstmals 1929 in Essen statt und war als große Leistungsschau des Garten- und Landschaftsbaus gedacht. In einer Zeit, in der das Ruhrgebiet noch stark von Industrie, Rauch und dichter Bebauung geprägt war.
Aus dieser Ausstellung entwickelte sich nach und nach der heutige Grugapark. Was ursprünglich ein temporäres Ausstellungsgelände war, wurde dauerhaft weiterentwickelt und zählt heute zu den bedeutendsten Stadtparks Nordrhein-Westfalens.

Zum Grugapark gehören weitläufige Grünanlagen, botanische Sammlungen, Themengärten sowie zahlreiche kunstvolle und architektonische Elemente. Besonders bekannt sind der Botanische Garten mit Pflanzen aus unterschiedlichen Klimazonen, der Alpengarten, der Rosengarten sowie verschiedene Stauden- und Schauanlagen.
Hinzu kommen Tiergehege, Spielplätze, Wasserflächen und Veranstaltungsbereiche, die den Park zu einem vielseitigen Freizeit- und Erlebnisraum machen.
Neben dem Grugapark tragen weitere Einrichtungen auf dem Gelände den Namen Gruga. Dazu gehört die Grugahalle, die seit den 1950er-Jahren als Veranstaltungsort für Konzerte, Messen sowie politische und gesellschaftliche Events genutzt wird.
Und natürlich das Grugabad. Das große Freibad entstand aus der Idee heraus, Freizeit und Erholung für möglichst viele Menschen zentral in der Stadt zugänglich zu machen. Mit seinen weitläufigen Becken, Liegewiesen und seiner typischen Architektur der 1970er-Jahre gehört es bis heute zu den Klassikern der Essener Sommerkultur.
Nur einige wenige Tipps aus nahezu unzähligen Möglichkeiten für Ihre persönliche Entdeckungsreise nach Essen. Ausführliche Informationen finden Sie online, in gedruckten Reiseführern bei Ihrem regionalen Buchhändler oder natürlich bei uns.


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