
WM-Fieber?
Es heißt ja, der Franke an sich lässt sich seine Begeisterung für Dinge nicht so leicht anmerken. „Bassd scho“ gilt bekanntlich nicht nur als das größte Lob, das er verteilen kann, sondern auch als geradezu extrovertierter Ausdruck eines aus seinem tiefsten Inneren kommenden, glühenden Enthusiasmus. Das schöne Wetter, die Höchstnote bei der Wahl zur „Miss Kerwa 2026“, das Fünf-Gänge-Menü von Alexander Herrmann („scho schee, dass mir sowas do in Wirsberg ham‘“!) oder dann doch eher des Krenfleisch vom Busbach-Peter: Wenn’s gemütlich ist und für alle Geschmackssinne etwas geboten ist, da kann der Gaul schon mal durchgehen mit einem Franggn. Beim Fußball klappt das auch zuverlässig.
So gesehen gut, dass gerade die Fußball-Weltmeisterschaft ansteht! Alle vier Jahre zieht auch der Franke ein weißes (oder dieses Mal türkisblaues) Deutschlandtrikot über, schmückt seine Außenspiegel mit schwarz-rot-goldenen Stoff -Überzügen oder hisst in seinem Garten neben der Frankenauch die Bundesflagge. Im Vorfeld des nun anstehenden XXL-Turniers in den USA, Kanada und Mexiko haben es ihm Julian Nagelsmann und seine Spieler zwar recht schwer gemacht, so etwas wie „WM-Fieber“ aufkommen zu lassen. Stattdessen haben sie ihm eher verzweifelte Ausrufe entlockt wie: „Des Gekicke wenn ich hald scho widda siech!“ Da waren ja nicht nur die beiden letzten Weltturniere, als die DFB-Auswahl jeweils schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten musste. Da waren in jüngster Zeit auch Auftritte dabei, die eher an die „Rumpelfußball“-Ära unter Erich Ribbeck erinnerten („da löfft ja mei Oma schneller!“) als an den letztmals 2014 mit dem WM-Pokal gekrönten „Diggi-Dagga“ unter dem damaligen Bundestrainer Jogi Löw. Trotzdem: Wenn schon der heimische FC Blutgrätsche 05 nix zsammbringt, dann doch bitte wenigstens unsere Deutschland-Kicker! Es muss ja nicht gleich wieder ein 7:1 gegen Brasilien sein! Es wäre auf jeden Fall mal wieder Zeit für ein Sommermärchen! 2018 in Russland und 2022 in Katar war es eher eine Horrorshow. Und bei der Heim-EM vor zwei Jahren stellte im Halbfinale der Schiri die Weichen und verhinderte einen möglichen Finaleinzug.
Wie viel Dioptrien hod der blinde Kaschber eigentlich!? Dass der Spanier namens Cucurella, der seinerzeit die Kull‘n im eigenen Sechzehner mit der Hand stoppte, in Deutschland bis heute bei jeder Ballberührung (übrigens egal mit welchem Körperteil) ausgepfiffen wird, nutzt uns zwar auch nichts mehr. Aber es tut unendlich gut! Und der Schiri vom EM-Halbfinale braucht fei in Franken kan Urlaub mehr machen. Und wenn, schütt‘ ma der Pflunzn a Kölsch ins Glas!
Dem Gwaaf, dass Deutschland unbedingt Weltmeister werden will, entgegnen die mit einem geschulten Auge für Viererkäddn, Bressing, Restverdeidichung und Dränsischn ausgestatteten rund 2,5 Millionen fränkischen Bundestrainer mit dem Verweis auf den Turnierbaum. „Wenn’s normohl löfft und beide werden Gruppensieger, schbilln mir scho im Achtelfinale geecha die Franzosn, und dann is Feieroohmd!“
Bis dahin hoff en wir mit unserem liebsten Fußballexperten Loddar Matthäus auf zahlreiche „Bärchenbildungen im Mittelfeld“, errechnen die „äxbäggded goals“ und hoff en im Wissen, dass Standards bei so einem Turnier den Unterschied machen können, darauf, dass Nagelsmann erst in Herzogenaurach und später im WM-Quartier in Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina ordentlich Ecken und Freistöße trainieren lässt, die dann im Spiel der Florian Wirtz oder der Ex-Ferdder David Raum genau in die Gambel drischt. Mit Jamie Leweling und Nathaniel Brown sind übrigens ja auch zwei waschechte Franggn im DFB-Aufgebot. Da schau’ma dann scho genauer hin, gell!
Untergebracht sind unsere Fußballer in North Carolina übrigens im „The Graylyn Estate“, einer historischen Luxus-Anlage im neo-normannischen Stil. Vielleicht ja ein gutes Omen, falls es irgendwann im Turnier mal gegen England geht. Schließlich feierten die Normannen ihren wohl größten Sieg im Jahr 1066 bei der Schlacht von Hastings. Die Kurzbeschreibung dieser Schlacht liest sich wie ein Fußball-Spielbericht im Kicker: „Die Schlacht war extrem hart umkämpft . Die Angelsachsen verteidigten sich zunächst erfolgreich in einer massiven Schildmauer. Erst durch wiederholtes, vorgetäuschtes Zurückweichen der Normannen brachen die Angelsachsen ihre Formation auf und wurden schließlich vernichtend geschlagen. König Harold II. (Harry Kane??) fiel im Kampf.“ Übersetzt heißt das doch so viel: Erst den Gegner kommen lassen und dann klassisch auskontern! So kann’s dann noch was werden mit dem WM-Titel!
Schätzla, schau wie iech schau!


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