
Ring Frei
Fünf der insgesamt neun OB-Kandidaten hatten die Gelegenheit, sich beim Regionentalk der Sparkasse Coburg – Lichtenfels von iTVCoburg in Kooperation mit dem Coburger Tageblatt und Radio EINS zu präsentieren – die Kandidaten der Parteien oder Wählergruppierungen, die in Fraktionsstärke im aktuellen Coburger Stadtrat sitzen. Die Veranstaltung im Gemeindesaal von St. Augustin stieß sowohl bei den per Zufallsgenerator aus den mehr als doppelt so vielen Interessenten ausgelosten Gästen im Raum, als auch im Rahmen der ausführlichen Nachberichterstattung über die drei Coburger Medien auf großes Interesse.
Die über 75 Minuten liefern einen Eindruck, welche Themen den Kandidaten wichtig sind und vor allem auch wie sie rüberkommen. Hier wichtige Aussagen aus der fünfköpfigen Kandidatenrunde, redaktionell zur besseren Lesbarkeit leicht bearbeitet.
Nachtleben
HEEB: Wenn wir junge Menschen anziehen wollen, müssen wir auch was bieten, wir müssen was im Schaufenster haben. Also wir können nicht immer nur sagen, ja wir brauchen junge Menschen in der Stadt, die dürfen wir aber nicht hören, nicht sehen und nicht fühlen, das wird nicht hinhauen.
HARTAN: Es ist klar, wir sind in der Innenstadt, das ist nicht so still wie auf dem Land, das muss man wissen, wenn man da hinzieht. Gleichwohl ist es natürlich ein Geben und ein Nehmen und man muss es ja auch nicht übertreiben.
SAUERTEIG: Nur ist es halt in einer Gesellschaft auch so, dass man nur vermitteln kann, wenn Menschen auch tatsächlich gesprächsbereit sind. Und an dieser Gesprächsbereitschaft , das können sie mir glauben, daran arbeiten wir mit Engelszungen, dass wir da wieder miteinander reden und nicht übereinander und nicht gegeneinander und uns nur vor Gerichten auch tatsächlich treffen.
HAUPT: Junge Leute sind junge Leute, die wollen natürlich auch mal feiern, und ein attraktiver Studienort ist dann ein attraktiver Studienort, wenn es auch was gibt, wo man mal abhängen kann, wo man mal ausgehen kann und so weiter – und da ist der Steinweg natürlich ein wichtiger Punkt.
GUNSENHEIMER: Ich bin der festen Überzeugung, wir müssen in ganz bestimmten Bereichen, wie jetzt im Fall Steinweg, viel früher aufeinander zugehen, weil das, dass irgendwann mal ein Problem werden kann, hätte man auch schon vor mehr als einem halben Jahr wissen können.
Sicherheit
HARTAN: Und heutzutage ist es natürlich so, dass man Überwachungen auch KI-gestützt vornehmen kann, die Polizei braucht also gar nicht so viel Personal dafür herzunehmen, weil man natürlich dann, wenn jemand ungewöhnliche Bewegungen macht, Meldungen bekommt – so etwas gibt es mittlerweile. Und wir sollten also auch hier, wenn es uns am Bahnhofsplatz geglückt ist, das auch mit der Polizei in guter Zusammenarbeit am Steinweg hinbekommen.
HAUPT: KI – alles gut und schön, ich kenne das und man kann das sicher für manches einsetzen, aber ganz zum Schluss muss halt einer um die Ecke stehen, der sagt: Pass mal auf, Freunde, jetzt ist Ruhe hier. Und da hilft die Kamera nur mittelmäßig und die KI auch nur ganz mittelmäßig.
GUNSENHEIMER: Dort, wo wir tatsächlich ein Problem haben, brauchen wir echte Menschen. Also die Polizei, den Sicherheitsdienst der Stadt, wo wir sagen: Es muss ein echter Mensch als Ansprechpartner da sein, der sagt: Hey, pass auf, da passiert gerade was.
HEEB: Und ich persönlich möchte nicht in einer KI-überwachten Stadt leben, wo ich nicht weiß, was, wann, wo, wie ausgewertet wird.
SAUERTEIG: Wenn die Polizei an der Stelle in ihrer eigenen Zuständigkeit Maßnahmen ergreifen möchte, dann sind wir als Stadt, ich als Stadtspitze, als Oberbürgermeister, immer gerne auch bereit, mit der Polizei sehr konstruktiv zusammenzuarbeiten.
Wohnen
SAUERTEIG: Wir haben Flächen, die wir rechtzeitig gesichert haben, und wenn jetzt endlich dann von Bund und Land wieder Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau und für bezahlbares Wohnen auf den Markt kommen, dann sind wir natürlich auch gesprächsbereit, das nicht nur als Wohnbau zu machen, sondern auch städtische Flächen für Genossenschaft en und andere Investoren zur Verfügung zu stellen.
HARTAN: Ein Mietpreisdeckel ist natürlich kontraproduktiv. Im Übrigen ginge das ja in Coburg gar nicht, weil wir gar keinen Mietpreisspiegel haben – den könnten wir also gar nicht einsetzen. Und alle Städte, die es bislang gemacht haben, sind damit auf die Nasegefallen.
HEEB: So eine Mietpreisbremse in Coburg kann ich mir nicht vorstellen aus einem einfachen Grund: Welcher Investor würde da noch investieren, wenn wir ihm die Mieten vorschreiben?
HAUPT: Wenn wir Energiepreise haben, die steigen, dann kann sich zwar jemand noch die unter fünf Euro Kaltmiete leisten, aber vielleicht die Warmmiete nicht mehr. Und deswegen muss man schon immer auch über die Warmmiete nachdenken.
GUNSENHEIMER: Tatsächlich ist die Baugenehmigungsbehörde so aufzustellen, dass es zu keinen Verzögerungen in dem Bereich kommt. Also da muss die Stadt auf jeden Fall sicherstellen, dass es da entsprechend durchflutscht. Frauen in der Politik
GUNSENHEIMER: Frauen müssen sich rechtfertigen. Frauen werden gefragt: Traust du dir das zu? Schaffst du das? Kriegst du das auf die Reihe? Hast du dir das gut überlegt? Und diese Fragen kommen von anderen Frauen natürlich, aber vor allem von Männern. Und ganz ehrlich: Es ist eine Schande für die Männer des 21. Jahrhunderts, dass wir das heute besprechen müssen.
SAUERTEIG: Ich glaube, das ist ein Thema, was wir als Gesamtgesellschaft insgesamt miteinander bereden müssen – ob wir es nicht auch ermöglichen können, dass man in gewählten Ämtern eben nicht 24/7, 365 Tage im Jahr erreichbar sein muss und damit den Rahmen, glaube ich, für alle Männer und Frauen und die, die sich dem dritten Geschlecht zugeordnet fühlen, besser machen.
HAUPT: Also wir stellen paritätisch auf – und zum Schluss landen vier Männer und zwei Frauen oder fünf Männer und eine Frau. Und deswegen geht es schon auch durchaus an die Wählerinnen, vielleicht auch zu sagen: Mensch, der traue ich das auch zu. Und nicht nur den grauhaarigen Männern, die wir halt hier so zum Teil auch sitzen.
HARTAN: Und das ist auch ein gesellschaftliches Problem, dass es heutzutage, gerade in den sozialen Medien, auch schon bei den Kommunalpolitikern so hoch hergeht, dass dann viele sagen: Nein, also beim besten Willen, das tue ich mir nicht an.
HEEB: Der Wähler hat es in der Hand – und da kann ich nur auffordern: Schaut auf die Listen und wählt die Frauen. Und dann sind sie auch im Stadtrat und dann reden sie auch mit.
Klima
HAUPT: Wir haben ein integriertes Stadtklimakonzept. Wir haben einen Rahmenplan, wir haben sogar einen Klimaaktionsplan gehabt. Also wir sind auf dem Papier, sagen wir mal, top. Ich würde mir wünschen, dass wir davon jetzt auch endlich mal ein bisschen mehr umsetzen.
HEEB: Die Ungeduld von Wolfram Haupt verstehe ich. Die tut uns auch gut, weil der schiebt uns immer ein bisschen von hinten, dass wir das tatsächlich machen. Oder generell – das ist schon richtig. Aber auf der anderen Seite verstehe ich es natürlich auch: Wir können nicht alles auf einmal tun.
HARTAN: Wir geben für eine Klima-Unit mit sechs Mitarbeitern pro Jahr eine Million Euro aus. So, jetzt muss man mal die Bürgerinnen und Bürger fragen, was davon bei ihnen schon angekommen ist. Was haben sie gemerkt – außer vielleicht sieben Platanen am Markt, die dann das Grünflächenamt gepflanzt hat? Aber ist der Aufwand zum Nutzen gerechtfertigt?
GUNSENHEIMER: Insofern muss man eine sehr deutliche Absage erteilen an jegliche Streichkonzepte von Seiten des Kollegen Hartan. Wenn wir was erreichen wollen, muss der Output der Klima-Unit erhöht werden.
SAUERTEIG: Denn Klimaschutz und Klimafolgenanpassung, das sind für uns als Kommune, da wären wir wieder bei den freiwilligen Leistungen, Bereiche, für die es keine ausreichende Finanzierung von Bund und Land gibt.


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