Sonderthema Wandel: Bauen in Zeiten des Klimawandels

Anzeige

Vielbeachtete Ausstellung gastiert in Coburg

Wie sieht Bauen aus, wenn Energie, Ressourcen und Klimaschutz zu den entscheidenden Rahmenbedingungen werden? Die international beachtete Ausstellung „Architecture and Energy. Bauen in Zeiten des Klimawandels“ sucht darauf Antworten. Nach ihrem großen Erfolg im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt kommt die Ausstellung nun auf Initiative des Coburger Designforums Oberfranken in Kooperation mit der Hochschule Coburg in die Vestestadt. Vom 22. Oktober bis 29. November 2026 wird das Erdgeschoss des ehemaligen Kaufhofs in der Mohrenstraße zum Ort für die Auseinandersetzung mit der Zukunft des Bauens. Die Ausstellung zeigt anhand konkreter europäischer Projekte, dass klimabewusstes Bauen nicht zwangsläufig Verzicht bedeutet. Wolfram Hegen hat sich im Vorfeld mit Sylvia Endres, Geschäftsführerin des Coburger Designforums Oberfranken CDO, Bodo Neubert, Projektleiter vom CDO, sowie Dr. Markus Neufeld und Prof. Dr. Holger Falter von der Fakultät Design + Bauen der Hochschule Coburg gesprochen.

COBURGER: Um was geht es in der Ausstellung „Architecture and Energy“?

Sylvia Endres: Die Ausstellung greift das Thema Klimawandel auf, ohne es auf einen einzelnen Aspekt zu reduzieren. Es geht nicht nur um energieeffiziente Gebäude, sondern um die gesamte Bandbreite. Anhand von 23 europäischen Projekten wird sehr anschaulich gezeigt, was heute bereits möglich ist – nicht irgendwann in der Zukunft, sondern jetzt. Die Projekte bilden einen spannenden Querschnitt: öffentliche Gebäude, Quartiersentwicklungen, sozialer Wohnungsbau. Und sie zeigen, dass Gebäude, die beim Klimaschutz eine Rolle spielen, gleichzeitig architektonisch sehr gut aussehen können.

COBURGER: Welche Bedeutung hat der Gebäudesektor für den Klimaschutz?

Sylvia Endres: Nach verschiedenen Studien sind rund 40 Prozent der Emissionen dem Bauwesen zuzuordnen. Das ist erheblich. Damit ist das Bauen einer der großen Hebel, wenn es darum geht, den Klimawandel zu begrenzen.

COBURGER: Wie können solche Lösungen aussehen?

Bodo Neubert: Ein sehr interessantes Beispiel ist ein Konzept für einen Supermarkt der Zukunft, das gezeigt wird. Im oberen Bereich befindet sich eine Art Gewächshaus mit Aquaponik. Dort werden Fische gehalten, die wiederum die Pflanzen versorgen. Die Pflanzen können anschließend direkt im Markt verkauft oder in die Region gebracht werden. So entsteht ein schlüssiges Gesamtkonzept. Gleichzeitig wird beim Supermarkt auf die Materialität und die Möglichkeit eines späteren Rückbaus geachtet. Das macht das Projekt zukunftsweisend. Ein weiteres Beispiel aus München-Riem beschäftigt sich mit gemeinschaftlichem Wohnen. Dort leben 30 Parteien in einem Gebäude. Der Wohnraum ist für die Mieter vergleichsweise günstig, gleichzeitig können durch die verwendeten Materialien die Herstellungskosten reduziert werden. Auch Gärten und begrünte Fassaden gehören zum Konzept. Das schafft ein gesundes Wohnumfeld und hilft zugleich, Energie und Ressourcen zu sparen. Es zeigt, dass die Zukunft des Wohnens nicht zwangsläufig im klassischen Einfamilienhaus liegen muss. Das sind nur zwei von 23 Projekten, die wir vorstellen.

COBURGER: Kann eine solche Ausstellung auch Impulse für die Stadtentwicklung und die lokale Politik geben? Wie bringt die Stadt sich ein?

Sylvia Endres: Die Stadt Coburg unterstützt die Ausstellung beispielsweise, indem sie die Räume im ehemaligen Kaufhof zur Verfügung stellt. Wir sind dort die ersten, die diese zentrale Fläche im Rahmen einer Zwischennutzung bespielen. Die Lage bietet die Möglichkeit, dass Menschen die Ausstellung eher zufällig entdecken. Die Stadt präsentiert dort auch ihr Konzept für kühlende Orte im Stadtgebiet – ein konkretes Beispiel dafür, wie Coburg sich mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzt. Auch Unternehmen wie Sana zeigen, welche Standards sie für nachhaltiges Bauen entwickelt haben. Die Ausstellung ist deshalb für Coburg sehr interessant, aber eben auch weit darüber hinaus.

COBURGER: Welche Rolle übernimmt die Hochschule Coburg innerhalb des Ausstellungsprogramms?

Dr. Markus Neufeld: Die Hochschule bringt viel Wissen aus der angewandten Wissenschaft ein. In verschiedenen Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen werden konkrete Projekte vorgestellt, an denen Professorinnen und Professoren sowie Praxispartner beteiligt sind. Ein Thema ist beispielsweise die energetische Sanierung denkmalgeschützter Gebäude. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie historische Fenster energetisch verbessert werden können, ohne den Charakter eines Gebäudes zu verlieren. Ein weiterer Schwerpunkt sind Einfamilienhäuser. Dazu kommen Themen wie Wärmepumpen, Heizen und Kühlen sowie zum Beispiel auch Projekte des Alpenvereins. Der Deutsche Alpenverein möchte klimaneutral werden, und dafür müssen auch die Hütten entsprechend ertüchtigt werden. Einige Bachelorarbeiten der Hochschule haben sich bereits mit diesen Fragen beschäftigt. Das sind nur einige von vielen Themen.

COBURGER: Gerade beim Thema Einfamilienhäuser scheint viel Potenzial zu liegen. Wo liegen die Herausforderungen?

Prof. Dr. Holger Falter: In Deutschland gibt es rund 16 Millionen Einfamilienhäuser. Viele stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren und wurden ursprünglich für Familien mit vier oder fünf Personen gebaut. Heute leben dort im Durchschnitt nur noch etwa 1,8 Menschen. Viele dieser Häuser sind noch nicht saniert und stehen damit vor großen Herausforderungen. Es geht aber nicht nur darum, neue Fenster einzubauen oder energetisch zu sanieren. Die viel spannendere Frage lautet: Was kann aus einem bestehenden Einfamilienhaus werden? Wie kann man es so verändern, dass mehrere Parteien darin wohnen können? Es geht also um Architektur, Flexibilität und Umnutzung – und damit gleichzeitig um Energieverbrauch und Ressourcenschonung.

COBURGER: Gibt es dafür bereits ein konkretes Beispiel aus der Region?

Prof. Dr. Holger Falter: Ja, in Redwitz entsteht ein entsprechendes Baugebiet. Die Hochschule arbeitet dort gemeinsam mit der Firma Raab an 26 Gebäuden mit vier unterschiedlichen Haustypen. Der Rohbau ist bereits fertig. Die ursprüngliche Idee stammt aus der Fakultät Design und Bauen und wird wissenschaftlich begleitet. Interessant ist, dass wir später sehr genau untersuchen können, was das Projekt gekostet hat, wie viel Energie in den Gebäuden steckt und welche sogenannte graue Energie eingesetzt wurde. Damit lässt sich wissenschaftlich nachvollziehen, was funktioniert und welche Erkenntnisse sich auf andere Projekte übertragen lassen.

COBURGER: An wen richtet sich die Ausstellung?

Sylvia Endres: Natürlich ist sie für Fachleute interessant. Sie richtet sich aber genauso an Menschen, die sich für Architektur, Bauen oder Natur interessieren. Schließlich ist die gebaute Umwelt der Raum, in dem wir leben und arbeiten.


Ausstellung Architecture & Energy

vom 22. Oktober bis 29. November 2026
Erdgeschoss ehemaliger Kaufhof
Mohrenstraße 17-19 | 96450 Coburg

Öffnungszeiten:
donnerstags & freitags, 16 bis 20 Uhr
Führung jeweils um 17 Uhr
samstags & sonntags, 12 bis 17 Uhr
Führung jeweils um 14 Uhr

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Coburger Designforum Oberfranken e.V. und der Hochschule Coburg, Fakultät Design + Bauen. Die Stadt Coburg stellt die Fläche für die Ausstellung zur Verfügung.

Veranstaltungen

Vernissage

Donnerstag, 22. Oktober | 20 Uhr
mit Gastvortrag von Prof. Werner Sobek zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung

Zukunftswerkstatt „Stadtplanung. Bauen. Zirkularität“

Samstag, 24. Oktober | 10 bis 15:30 Uhr
forum1.5 Bamberg-Coburg e.V., Fakultät Design + Bauen an der Hochschule Coburg und weitere Partner

Rewe Greenfarming, Wiesbaden

Dienstag, 27. Oktober | 19:00 Uhr
Friedrich Ludewig, Dirk Mueller ACME Berlin
Vortrag im Rahmen der Dienstagsreihe der Fakultät Design + Bauen an der Hochschule Coburg

Nachhaltigkeit in den Alpen – Klimaneutrale Hütte

Donnerstag, 29. Oktober | 18:30 Uhr
Prof. Friedemann Zeitler, Fakultät Design + Bauen an der Hochschule Coburg
Themenabend mit Vorträgen und Podiumsdiskussion

Heißer Stoff – wenn Textilien plötzlich heizen

Freitag, 30. Oktober | 19:00 Uhr
Mario Browa, Geschäftsführer Browatech GmbH & Co. KG

Wärmepumpe & Co. – welche Heizung passt zum Bestand?

Donnerstag, 5. November | 18:30 Uhr
Prof. Michael Schaub, Fakultät Design + Bauen an der Hochschule Coburg
Vortrag

Kleine Häuser, großer Hebel

Donnerstag, 12. November | 18:30 Uhr
Prof. Anja Ohliger, Fakultät Design + Bauen an der Hochschule Coburg
Themenabend mit Vorträgen und Podiumsdiskussion

Kleiner Wohnen – ressourcenschonend Bauen

Donnerstag, 19. November | 18:30 Uhr
Prof. Dr. Rainer Hirth, Fakultät Design + Bauen an der Hochschule Coburg
Themenabend mit Vorträgen und Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion zum Bauerhalt

Mittwoch, 25. November | 18 Uhr
Zusammenarbeit mit InTraBau (Innovation aus Tradition) und der Handwerkskammer für Oberfranken (HWK)
Themenabend Chancen und Herausforderungen beim Bauerhalt. Rainer Beck, Geschäftsführer Handwerkskammer Oberfranken, Prof. Benedikt Buchmüller, Prof. Markus Schlemm, Prof. Dr. Alexandra Troi (Hochschule Coburg, Fakultät Design + Bauen), Henriette Helms, InTraBau Community-Projekt FenRest

Energie am Denkmal

Donnerstag, 26. November | 18:30 Uhr
Prof. Dr. Alexandra Troi, Fakultät Design + Bauen an der Hochschule Coburg
Themenabend mit Vorträgen und Podiumsdiskussion