Wie der Wald der Seele hilft

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„Der Wald ist für mich ein Seelenort. Hier komme ich zur Ruhe.“ Solche Sätze hört Sebastian Huth immer wieder, seitdem der Naturfriedhof Banz Ruhestätte und Ort der Trauer geworden ist. Huth ist Leiter des Forstguts und auch des Friedhofs. Zu ihm und seinem Team kommen Menschen, die sich ihre letzte Ruhestätte selbst aussuchen möchten oder Hinterbliebene, die den Wald für den richtigen Ort halten. In Banz finden sie Plätze rund um Bäume oder große Steine mitten im Wald.

„Für mich ist der Ort tröstend. Er wirkt auf mich wie eine heilende Umgebung.“ Huth sammelt solche Zitate in seinem Inneren. Er beobachtet immer wieder kleine Naturschauspiele, die vielleicht nur zufällig geschehen, denen die Trauernden aber eine Bedeutung zuschreiben. Bei einer Beerdigung öffnete sich nach dem letzten Lied die Wolkendecke. Die Sonne schien auf eine Eiche direkt neben den Trauernden. Mitten rein setzte sich eine ganze Reihe von Schmetterlingen.“

Huth will wissen, wie Dinge zusammenhängen. Auf dem Naturfriedhof ist es der Zusammenhang von Wald und Mensch. Über den Trauernden schließt sich das Dach der Bäume. „Der Waldinnenraum hat ein besonderes Klima“, sagt sein Kollege Marcus Weigel. Messbar ist das beispielsweise an Terpenen, flüchtige organische Verbindungen biologischen Ursprungs. Sie tragen zu dem typischen Waldgeruch bei. „Interessant sind Studien, die zeigen, dass Menschen, die lange im Wald sind einen niedrigeren Stresslevel haben als Menschen, die die gleiche Zeit in der Stadt waren“, berichtet Huth von den Studien. Sie zeigen, dass der dafür verantwortliche Cortisolspiegel sinkt.

Eine Meta-Studie als Zusammenfassung von 36 Einzeluntersuchungen mit 3554 Personen zeigt, dass Waldaufenthalte Ängste und depressive Symptome lindern. „Das bezieht sich nicht ausdrücklich auf Trauernde – und ist auch keine Behandlung von Trauerstörungen“, so Huth. Doch die Studien geben einen Hinweis darauf, wie „der Wald als besonderer Ort, in dem ich mich wohlfühle“ biologisch und chemisch funktioniert. Wer trauert, dessen Immunsystem ist schwächer. Auch das zeigen Studien. Messbar wird dies durch erhöhte Entzündungsmarker. Oder auch durch höheren Puls oder Blutdruck. Auch hier kann der Wald als Umgebung helfen.

„Ein Waldspaziergang ersetzt keine medizinische Behandlung. Was wir bei uns erleben ist, dass Menschen, die naturverbunden sind, für sich selbst eine stärkere Wirkung feststellen. Wer sich an einem Tautropfen oder Sonnenstrahl, an der Form eines Astes oder dem Leuchten eines Pilzes freuen kann, dem hilft das auch in seiner Trauer“, beobachtet Marcus Weigel. Viele Menschen, die nach Banz kommen, wollen sich selbst den Ort aussuchen, an dem ihre Urne beigesetzt wird. „Jede und jeder bringt seine eigene Geschichte mit und sucht sich Lage oder Baumart, Blick oder Nummer nach seinen Kriterien aus“, sagt Huth.

Auch Größe und Alter der Bäume spielen bei der Auswahl immer wieder eine Rolle. Die Hinterbliebenen schätzen, dass der Wald und damit auch der Naturfriedhof jederzeit betretbar ist. Als Brücke vom Ende zurück an den Anfang des Lebens merkt Huth, wie wichtig es ist, Kindern Natur und den Wald nahezubringen: „Das kann die Menschen durchs ganze Leben tragen.“ Die Freude an einem Sonnenstrahl und einem Schmetterling kann Kraft spenden – in jeder Lebenslage. Und immer mehr Studien zu Terpenen und Cortisolspiegel machen die Wirkung sogar messbar. Der Wald wirkt.

TERPENE: Für die Bäume sind Terpene überlebenswichtig. Sie dienen der Kommunikation (z. B. um Nachbarbäume vor Schädlingsbefall zu warnen) und als Abwehrmedizin gegen Pilze, Bakterien und Insekten. Terpene werden beim Aufenthalt im Wald über die Atemwege (Lunge und Riechnerv) sowie über die Haut aufgenommen. Studien (z. B. der Pionierforschung von Prof. Qing Li) zeigen klare physiologische Effekte auf Immunsystem, Nervensystem und Stress. Sie regen die Bildung und Aktivität der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) an, die Viren und potenzielle Krebszellen bekämpfen.

Sie senken das Stresshormon Cortisol, regulieren den Blutdruck und aktivieren den Parasympathikus (den „Ruhenerv“). So funktioniert´s: Terpene sind klein genug, um die Blut-Hirn-Schranke zu passieren, und interagieren direkt mit dem limbischen System im Gehirn, das Emotionen steuert.

Mehr Infos unter: www.naturfriedhof-banz.de oder vor Ort im Forsthaus Banz, 96231 Bad Staffelstein. Telefonische Auskünfte gibt es unter 09573 950274. Wer sich den Naturfriedhof selbst ansehen möchte, findet ihn in der Au 30 in 96231 Altenbanz.