Zerbrechliche Meisterwerke

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Venezianische Glaskunst in Rödental

Fulvio Bianconi (1915–1996) zählt zu den einflussreichsten Entwerfern der venezianischen Glaskunst in der Blütezeit der 1950er bis 1970er Jahre. Für zahlreiche Glashersteller, allen voran für die Murano Manufaktur Venini, entwarf er eine faszinierende Vielfalt farbprächtiger Gefäße, Figuren und Objekte. Bianconis Werke fanden schon in ihrer Entstehungszeit international Absatz. Das Sammlerehepaar Ursula und Rainer Losch hat in den vergangenen Jahrzehnten die weltweit größte und bedeutendste Sammlung mit über 350 Werken von Fulvio Bianconi zusammengetragen und diese nun zur dauerhaften Präsentation im Europäischen Museum für Modernes Glas gestiftet. Die Bianconi-Werkschau ist ab sofort in einem komplett neuen Ausstellungsbereich im Untergeschoss des Museums zu bewundern.

Das häufig kopierte Design der Taschentuchvasen (fazzoletti) geht auf den italienischen Designer Pietro Chiesa (1876–1959) zurück, der das Modell Mitte der 1930er Jahre unter dem Namen „Cartoccio“ („Tüte“) für Fontana Arte entwickelte. Die ursprünglich aus rundem Flachglas abgesenkte und geformte Vase wurde ab etwa 1948 von Paolo Venini und Fulvio Bianconi weiterentwickelt. Die Ergebnisse dieser Gemeinschaftsarbeit gehören zu den bekanntesten und erfolgreichsten Erzeugnissen der Murano-Manufaktur Venini.

Zu Bianconis frühen Entwürfen für Venini zählt auch eine Gruppe von Fabelwesen, darunter die stilisierte Figur einer Meerjungfrau. Sie hat die Arme wie eine Tänzerin erhoben und biegt den Rücken weit durch. Ihre elegante Bewegung erinnert an die schwebenden Traumwelten des Malers Marc Chagall, insbesondere an dessen Lithografien-Serie „Arabische Nächte“ von 1948, die als mögliche Inspirationsquelle gilt.

Neben seinen zahlreichen Gefäßobjekten ist Fulvio Bianconi für seine innovativen figürlichen Werke bekannt. Der Künstler nutzte seine Erfahrungen als Illustrator, um 1948 die Figurengruppe der Commedia dell’Arte zu entwerfen.

In den 1950er Jahren folgten weitere Serien wie die Musikanten, die Darstellungen der Monate und Figuren in historischen Trachten. Bianconis Figuren wirken lebendig und treten miteinander in einen expressiven Dialog. Auch kommerziell waren die von Venini hergestellten Serien erfolgreich. Sie richteten sich vor allem an Touristen in Venedig und an nach Amerika ausgewanderte Italiener.

Farbe spielte für den zunächst als Grafiker tätigen Fulvio Bianconi eine zentrale Rolle und war ein Garant für den Erfolg vieler von Venini vertriebener Serien. Für die „Colori“-Vasen werden vorgefertigte einfarbige Glassegmente miteinander verschmolzen. Die einzelnen Farbsegmente werden dabei zunächst nach festgelegten Mustern sorgfältig angeordnet, anschließend mit der Glasmacherpfeife auf einen farblosen Glasposten aufgenommen und schließlich aufgeblasen.

Neueröffnung im Glasmuseum

Fulvio Bianconi – Die Sammlung Ursula und Rainer Losch

Die von Bianconi entworfenen Glasobjekte wurden überwiegend in Kleinserie produziert. Das bisher auf Unikatglas ausgerichtete Museum ergänzen sie damit um eine ganz neue Facette. Für die Präsentation der Spezialsammlung des Stifterehepaars Ursula und Rainer Losch wurde eine ehemalige Lagerfläche in einen hochmodernen Ausstellungsbereich umgebaut. Großzügige Vitrinen bieten Platz für eine repräsentative Auswahl an Objekten. Die Zusammenstellung soll regelmäßig wechseln.

Europäisches Museum für Modernes Glas
Rosenau 10
96472 Rödental
kunstsammlungen-coburg.de