
„Nicht warten, sondern starten“
Als Inhaberin von Betreuungsdienst-Leistner begleitet Kerstin Leistner seit mittlerweile zehn Jahren Familien, die Unterstützung bei der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger benötigen. Mit ihrem Unternehmen vermittelt sie Betreuungskräfte aus Osteuropa und sorgt dafür, dass Menschen auch im Alter möglichst lange in ihrem vertrauten Zuhause leben können. Ihr Erfolgsrezept: Einfühlungsvermögen, Organisationstalent und die Fähigkeit, mit Menschen auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Kerstin, bist du beruflich dort angekommen, wo du immer hinwolltest?
Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich heute sehr zufrieden bin. Mit meiner privaten Seniorenbetreuung habe ich etwas gefunden, das für mich sehr sinnstiftend ist. Ich kann Menschen helfen und gleichzeitig meine Stärken in Kommunikation und Organisation einbringen. Das fühlt sich richtig an.
Das klingt, als wäre der Weg dorthin nicht geradlinig gewesen.
Überhaupt nicht. Mein Lebenslauf ist ziemlich bunt. Ich bin bereits mit 15 Jahren ins Berufsleben gestartet und habe zunächst eine Friseurausbildung gemacht. Wirklich erfüllt hat mich das allerdings nicht. Später führte ich gemeinsam mit meinem damaligen Partner zwei gastronomische Betriebe und betrieb zeitweise sogar ein eigenes Pilspub in Coburg.

Du hast also vieles ausprobiert.
Ja, ich habe einige Umwege gemacht. Als alleinerziehende Mutter musste ich vor allem sehen, dass ich finanziell über die Runden komme. Erst durch die Unterstützung meiner Eltern konnte ich den zweiten Bildungsweg einschlagen, mein Fachabitur nachholen und schließlich bei einem Versicherungsunternehmen im Bereich Informatik Fuß fassen. Dort hatte ich viele Möglichkeiten zur Weiterbildung und absolvierte zusätzlich eine Ausbildung zur Fachkauffrau für Marketing. Für diese insgesamt 14 Jahre bin ich sehr dankbar.
Weiterbildung spielte in deinem Leben also immer eine große Rolle?
Definitiv. Ich bezeichne mich selbst gerne als Stehaufmännchen. Es gab viele Herausforderungen, beruflich wie privat. Dabei habe ich etwas Wichtiges gelernt: Man muss nicht in einer Opferrolle verharren. Meine Überzeugung lautet heute: Lieber aus dem Leben schöpfen, als im Jammertal zu verweilen.
Mit dieser Haltung hattest du auch den Mut für berufliche Veränderungen?
Ich war immer auf der Suche nach einer Tätigkeit, die mich wirklich erfüllt. Lange habe ich nebenberuflich neue Dinge ausprobiert, aber oft passte es nicht dauerhaft. Ein wichtiger Wendepunkt war für mich ein NLP-Seminar im Jahr 2011. Danach wurde mir klar, dass ich etwas verändern musste. Auch mein Körper hat mir damals signalisiert, dass es Zeit für einen neuen Weg war. Also verließ ich meinen sicheren Arbeitsplatz und wechselte in den Außendienst.
Du bist also deinem Gefühl gefolgt?
Zumindest habe ich immer versucht, auf meine innere Stimme zu hören. Im Außendienst für einen Porzellanhersteller habe ich gemerkt, wie sehr mir der direkte Kontakt mit Menschen fehlt und wie viel Freude mir persönliche Gespräche machen. Gleichzeitig war ich die ganze Woche unterwegs. Das wollte ich auf Dauer nicht. Also suchte ich nach einer Tätigkeit mit Menschen, die regional verankert ist und gleichzeitig Zukunftspotenzial besitzt.
So bist du auf die Seniorenbetreuung aufmerksam geworden?
Genau. Immer wieder stieß ich auf Angebote rund um die sogenannte 24-Stunden-Betreuung. Das Thema erschien mir spannend und gesellschaftlich relevant. Anfangs hatte ich großen Respekt vor einer erneuten Selbstständigkeit, weil ich in der Gastronomie bereits schwierige Erfahrungen gemacht hatte. Trotzdem habe ich den Schritt gewagt.
Und der Plan ist aufgegangen?
Ja, weil ich von Anfang an gespürt habe, dass diese Tätigkeit zu mir passt. Ich habe mir einen Gebietsschutz gesichert, zahlreiche Fortbildungen besucht und viel Zeit in den Aufbau meines Unternehmens investiert. Menschen kennenzulernen, zuzuhören und passende Lösungen zu finden, macht mir bis heute große Freude.
Meine Überzeugung ist dabei klar: Menschen sollen auch im Alter in ihrem vertrauten Zuhause leben können. Dafür arbeite ich mit ausgewählten Partnerunternehmen zusammen, die zuverlässige Betreuungskräfte, überwiegend aus osteuropäischen Ländern, vermitteln. Gemeinsam mit den Familien finden wir heraus, welche Betreuungskraft am besten zur jeweiligen Situation passt.
Heute seid ihr als Team in der Region aktiv.
Ja. Neben dem Hauptstandort in Ebersdorf betreuen mittlerweile weitere Teampartnerinnen und Teampartner verschiedene Regionen. Besonders wichtig ist dabei meine Tochter Michelle. Sie unterstützt mich seit 2019 als Assistentin und ist aus dem Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Ihre Empathie und Fachkompetenz sind eine große Bereicherung.
War die Selbstständigkeit für dich der entscheidende Schritt?
Absolut. Ich kann selbst entscheiden, wie ich arbeite und welche Werte ich leben möchte. Mein Enthusiasmus hat mich immer vorangebracht. Gleichzeitig freue ich mich darüber, andere Menschen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet zu haben. Einige meiner Teampartnerinnen und Teampartner haben sich unter dem Dach von Betreuungsdienst-Leistner eine eigene Existenz aufgebaut.
Für mich steht fest: Es ist wichtig, das zu lieben, was man tut. Jede Erfahrung, ob positiv oder herausfordernd, hat mich dorthin gebracht, wo ich heute stehe. Deshalb lautet mein Motto bis heute: Nicht warten, sondern starten. Wer seiner inneren Stimme folgt, entdeckt oft Wege, die vorher gar nicht sichtbar waren.


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